Kleine Ritter müssen nicht immer tapfer sein: Peer Boysens Prinz Eisenherz in der Schauburg

von kulturvollzug

Steh auf, wenn du am Boden bist: Markus Kampana als Eisenherz. (Foto: DigiPott / Schauburg)

Helden braucht das Land. Und der kleine Prinz Eisenherz ist wild entschlossen, einer zu werden. Wie er das wird, erzählt seit 1937 die Abenteuer-Comic-Serie „Prinz Eisenherz“ des Amerikaners Hal Foster. Fosters Protagonist mit der Topfschnitt-Frisur abenteuert bis heute aus der Feder anderer Cartoon-Zeichner weiter. Nun ist er auch ein Bühnenheld: In der Schauburg hat Peer Boysen „Prinz Eisenherz“ als bildmächtiges Zauber- und Puppenspiel für Kinder ab 10 inszeniert. Das ist nur der Auftakt. In den nächsten fünf Jahren will Boysen mit sechs  Folge-Inszenierungen das berühmte Comic-Helden-Epos szenisch weitererzählen.

Vielleicht weckte das falsche Erwartungen: Eine Zuschauerin  fragte bereits nach Karten „für die Fortsetzung nächste Woche“. Aber im Theater erfährt man später als beim wöchentlichen Comic, ob der junge Prinz seiner Liebe Ilene helfen kann. Mit diesem Cliff-Hanger endet die Aufführung, die einen erstmal mit viel Kunstnebel und Geraune im Dunklen in die mythische Zeit der Artus-Legende versetzt. Eisenherz und seine Königs-Eltern landen als heimatvertriebene Migranten in einem britischen Sumpf. Diese Welt muss Wuschelkopf Eisenherz (Markus Campana kriegt den klassischen Haarschnitt erst später per Helmkappe) entdecken. Eisenherz gruselt sich vor Spinnen, sehnt sich aber nach Ungeheuern und erschlägt einen Drachen. Seine Mutter schilt ihn: „Du musst kein Held sein - geh spielen!“

Regisseur Peer Boysen ist ein Gesamtkunstwerker: Auch Textfassung, Bühne und Kostüme sind von ihm. mit vier Schauspielern inszeniert er Monster, Ritter, Hexen und Prinzessinnen als  zauberische Mischung aus Schauspieler- und Puppenspiel. Um eine ovale Podestschräge (mit Vertiefungen für die beiden Musiker von Portmanteau) sitzen verhüllt die Ritter von König Arthurs Tafelrunde: Sie entpuppen sich als  Pandämonium trunkener alter Zausel - und Tristan darf singen. Der Puppenbauer und -spieler Mano Giesen hat mit den lebensgroßen Köpfen eine schräge, denunzierende Mythengesellschaft erschaffen. Und der Bildermagier Peer Boysen lässt seinen Helden mal als Mini-Hampelmann am Stab über Stoffgebirge stolpern, mal unsichtbar gegen einen imposanten  Riesendrachen kämpfen. Man sieht zu beim Herstellen der Musik und der Theater-Mittel und wird doch verzaubert von Illusion.

Gabriella Lorenz

Schauburg 4., 5., 22., 24. Feb., 19.30 Uhr, Tel. 233 371 55

Veröffentlicht am: 15.01.2011

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