Zum Tod der Kritikerin Sigrid Hardt

Als die Sterne noch leuchteten

von Michael Grill

Sigrid Hardt (hier bei einer Feier im Fraunhofer). Foto: Dieter Schnöpf

Diese Stadt München ist voller alter Geschichten, in denen eine Zeitung eine Rolle spielt, die alle mochten: Die schnell war und seriös, unterhaltsam und charmant, ernsthaft und engagiert. Die Reporter, Redakteure und Kritiker hatte, die mal besser und mal schlechter schrieben, aber für die die Suche nach Wahrheit nichts Lächerliches, sondern etwas Erstrebenswertes war und die Kulturjournalismus als Obsession betrieben und das auch durften. Eine Redaktion voller Sterne, die stolz war auf ihre Schreiber und Querköpfe, und die nicht als Contentmaschine von willfähigen Chefs und Eignern bis zur Stromlinienförmigkeit heruntersaniert worden war. In einer solchen Zeitung arbeitete Sigrid "Sigi" Hardt.

Nicht unbedingt in der ersten Reihe, nicht unbedingt an den härtesten Fronten. Aber zuverlässig und unbeirrt einen Journalismus formend, der ihre Zeitung trug und die Gesellschaft forderte, hinterfragte, letztlich: besser machte.

Sigi Hardt schrieb über Kabarett und Kleinkunst, sie war nicht nur als Jurymitglied des Passauer Scharfrichterbeils und des Deutschen Kleinkunstpreises eine Entdeckerin - etwa von Andreas Giebel, Urban Priol und Hape Kerkeling. Sie lebte mit ihrer und für ihre Münchner Kultur.

Vor einigen Jahren ging sie zurück nach Bremen, wo sie am vergangenen Wochenende im Alter von 71 Jahren gestorben ist. Bis heute trifft man in München kaum einen Kabarettisten oder Kleinkünstler, der nicht davon erzählen kann, was er Sigi Hardt zu verdanken hat. Das wird noch lange so bleiben, auch wenn die Sterne längst erloschen sind.

 

Veröffentlicht am: 17.01.2013

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