"Closer" im Pepper Theater

Kraftausdrücke wohldosiert, und auch sonst: Very British

von kulturvollzug

Schatz, es ist genau das, wonach es aussieht: das Ensemble stellt sich vor. Foto: Theardenttheatre.com

Der aus seinen Arbeiten in der Pasinger Fabrik bekannte Peter Bishop hat das Wagnis auf sich genommen, mit zwei englischsprachigen und zwei deutschsprachigen Schauspielern das Stück "Closer"  in englischer Sprache zu inszenieren, was ihm erstaunlich gut gelungen ist.

"Closer" ist ein Vierpersonenstück mit allerlei Finten, Flanken und Flirts. Kurz umrissen: die junge, gutaussehende Stripperin Alice (Ciara Hendrickson) trifft auf den jungen, gutaussehenden und hochgebildeten Dan, der sich sofort Hals über Kopf in sie verliebt und sie auch in ihn, sie werden ein glückliches Paar. Ein paar Monate später trifft Dan auf die junge, gutaussehende Fotografin Anna und verliebt sich erneut, sie küssen sich, aber sie weist ihn zurück. Um ihr einen Streich zu spielen, gibt er sich im Sex-Chatroom als „Anna“ aus und schickt den wohlhabenden Arzt Larry, den er bis dato nicht kennt, am nächsten Tag in das Aquarium des Londoner Zoos, da er weiß, dass sich Anna dort aufhält.

Natürlich fällt Larry auf den Schwindel herein und trifft sich mit Anna, die seine äußerst direkten und anzüglichen Bemerkungen eher amüsiert aufnimmt und ein Techtelmechtel mit ihm beginnt. Doch Dan lässt nicht locker, Anna gibt sich sehr tolerant und fängt auch mit ihm etwas an, was Alice natürlich rausbekommt und wieder im Striplokal anfängt. Wie zu erwarten wird die Geschichte sehr verzwickt, die Protagonisten trennen und versöhnen sich und jedes Männlein schläft mit jedem Weiblein und zuletzt bleibt Anna nach einem sehr netten Schlussgag allein auf dem als Schauplatz mehrmals bespielten Friedhof zurück.

Die Protagonisten wirken anfangs etwas gestelzt, was sich aber glücklicherweise rasch legt, spätestens als die beiden Jungs gegeneinander chatten, sind die Gags gut und verständlich eingegrooved und es gibt einige wirklich gute Lacher, zum Beispiel als Dan dem erregten Larry als Anna schreibt, sie habe „epische Titten“, worauf Larry bittet, „episch“ zu definieren. Die englischen Kraftausdrücke halten sich aber dankenswerter Weise in Grenzen, der gemeinhin inflationär verwendete, ermüdende Ausdruck für „Beischlaf“ wird nur an ausgesuchten Stellen wohldosiert eingesetzt.

Die Figuren sind im Wesentlichen gut herausgearbeitet, der Regisseur hätte allerdings gewiss noch mehr aus den vier Vollblutschauspielern herausholen können. Der von seinen Arbeiten in der Pasinger Fabrik bekannte Peter Bishop hat das Wagnis auf sich genommen, mit zwei englischsprachigen und zwei deutschsprachigen Schauspielern das Stück in englischer Sprache zu inszenieren, was ihm erstaunlich gut gelungen ist.

Die Amerikanerin Ciara Hendrickson, mit 25 Jahren das Nesthäkchen des Ensembles, spielt routiniert und grazil, man merkt nicht nur im Stripclub bei gefühlvollen Tanzeinlagen, daß sie seit ihrem sechsten Lebensjahr tanzt und spielt. Der Brite Julian Powell glänzt mit Facettenreichtum und Wandlungsfähigkeit, mal ist er zurückhaltend, dann wieder dreist, dann traurig, dann erbost: ein wahres Talent. Masoud Janbaz stand bereits erfolgreich im Teamthater auf der Bühne und auch hier spielt er den jungen Arzt überzeugend und textsicher. Das Highlight des Abends ist die wundervolle Niederbayerin Teresa Habereder, die den Charakter der Anna umwerfend, charmant, süß, sehnsüchtig und sexy spielt und dabei keine Sekunde ihr gutes Englisch vernachlässigt. In diversen Film- und Fernsehproduktionen hat sie bewiesen, dass sie sowohl des Hochdeutschen als freilich auch des Bayrischen absolut mächtig ist.

Alles in allem ist die Inszenierung freundlich, dezent und mild. Die Sexszenen werden nicht gezeigt, sondern ergeben sich aus den Dialogen, selbst die Stripperin darf ihre goldene Wäsche anbehalten, die brave Musik zwischen den Szenen erinnert an eine Instrumentalversion von „More than anything in this world“ von Lenny Kravitz und die E-Zigaretten auf der Bühne unterstreichen die vornehme Art des Stückes, das eben letztlich doch „very british“ ist.

Moses Wolff

"Closer", ein Theaterstück von Patrick Marber, inszeniert in englischer Sprache von Peter Bishop bis 26. Januar 2013 im Pepper Theater München.

Veröffentlicht am: 13.01.2013

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