Vor 100 Jahren starb Prinzregent Luitpold

Seine Spuren in München - eine Straße und zwei Brücken

von kulturvollzug

Die Prinzregentenstraße, gesehen vom Friedensengel aus. Foto: Archiv ama

Zu seinem 80. Geburtstag wollte ihm der Münchner Magistrat ein Denkmal schenken; die Räte rechneten aber wohl nicht mit der schier bürgerlichen Bescheidenheit des Monarchen. Das Präsent möge erst nach seinem Tod aufgestellt werden, wünschte der zu ehrende Prinzregent. Luitpold starb am 12. Dezember 1912 im Alter von 93 Jahren. Wer jetzt, hundert Jahre später, in München nach den Spuren dieses Regenten sucht, wird auch nur wenige Bauten finden, die unmittelbar mit ihm verbunden sind – verglichen mit der üppigen architektonischen Hinterlassenschaft der Könige Ludwig I. und Max II.

„Blühen, Gedeihen und Fortkommen“ wünschte Luitpold seiner Residenzstadt, die vor der Jahrhundertwende und noch gut ein Jahrzehnt danach tatsächlich eine ihrer fruchtbarsten Epochen erlebte. Ein Baulöwe jedoch war der Sachwalter des gemütskranken Königs Otto nie. Im Gegensatz zu den drei Königen zuvor hat er keinen eigenen Stil entwickeln lassen, keinen Architekturwettbewerb veranstaltet, kein Gebäude selbst erdacht oder in Auftrag gegeben. Es war ihm auch nicht möglich, Grundstücke aus eigenem Besitz für eine repräsentative Straßentrasse zur Verfügung zu stellen.

Zwar hatte der seit 1886 ersatzweise regierende Wittelsbacher die Planung einer Straße, die erst später nach ihm benannt wurde, 1891 ausdrücklich angeregt, doch ist sie im Endergebnis allein das Resultat kommunaler und privater Interessen. Trotzdem oder eben deshalb ist sie eine der Grandes Avenues Europas geworden - steinernes Wahrzeichen eines zu Wohlstand und Macht gekommenen Bürgertums. Dem bayerischen Herrscherhaus selbst fehlte auch das Geld für eigene Investitionen, noch längst nicht abgetragen war der vom „Märchenkönig“ Ludwig II. hinterlassene Schuldenberg.

Als die Bevölkerungszahl der Haupt- und Residenzstadt infolge von Industrialisierung und Zuwanderung seinerzeit an die halbe Million heranrückte, war eine weitere, breitere, die Isar überquerende Verkehrsverbindung zwischen der nördlichen Kernstadt und ihren eingemeindeten Vorstädten Haidhausen und Bogenhausen, wohin bis dato nur Karrenwege führten, überfällig geworden. (Die Maximilianstraße endete ja am Maximilianeum.)

Die Rolle der bisherigen Auftraggeber – Kirche, Adel, Königshof – übernahmen sogenannte Terraingesellschaften, die von kapitalkräftigen Grund- und Immobilienbesitzern getragen wurden. Noch heute ist dieser langen Nobelstraße anzumerken, dass sie im wesentlichen mit privatem Geld gepflastert ist, abgesehen von den bombastischen Zutaten der NS-Großplaner wie "Haus der Deutschen Kunst" und Luftgaukommando (heute Wirtschaftsministerium).

Nur an einer Stelle, einer Schlüsselstelle, griff Seine Majestät in die privaten Schatulle. Zu seinem 70. Geburtstag machte er eine Brücke, welche die neue Prinzregentenstraße mit den neuen östlichen Stadtvierteln verband, den Münchnern zum Geschenk und weihte sie an diesem Tag ein. Doch anscheinend war sie zu schnell und zu leicht gebaut. Wegen der Staatsschulden wollte die Oberste Baubehörde sparen. Am 14. September 1899 wurde die „Luitpoldbrücke“ von der nach sechs Regentagen auf vier Meter angestiegenen Isar weggerissen, woraufhin in der ganzen Stadt der Strom ausfiel.

Abermals griff der „Landesverweser“ in die eigene Tasche. Tief wurden nun die Fundierungen unter die Flusssohle verlegt. Im September 1901 war die bessere Brücke fertig. Trotzdem durften noch bis ins 20. Jahrhundert hinein nur Spaziergänger, Kinderwagen und Luxuskarossen passieren. Heute werden auf der 1962 noch einmal verbreiteten Brücke 45.000 bis 50.000 Kraftfahrzeuge pro Tag gezählt. „Die damit einhergehende Luftbelastung“, stellte die TU München fest, „hat bereits zu erheblichen Beschädigungen der Laubbäume am Friedensengel geführt“.

Der Prinzregent. Abb.: Archiv Stankiewitz

Den Bau des im September 1899 eingeweihten Friedensengels, der an den Friedensschluss mit Frankreich 1871 erinnern sollte, hat eine von Luitpold eingesetzte Stiftung ausgeschrieben und finanziert. Ein Relief mit dem Porträt des Prinzregenten schmückt denn auch – neben ebensolchen Bildnissen von drei preußischen Kaisern, zwei bayerischen Herrschern, von Bismarck und vier Feldmarschällen – die auf Treppen erreichbare Tempelhalle. Das „Prinz-Regenten-Theater“ indes, wie es zunächst hieß, hat mit dem Namenspatron nur so viel zu tun, als der 80-Jährige zur feierlichen Eröffnung am 20. August 1901 an der Spitze der ganzen Münchner Prominenz eingeladen worden war, wegen einer Hoftrauer aber absagen musste.

Sein Denkmal schließlich wurde wunschgemäß erst ein Jahr nach seinem Tod feierlich enthüllt. Hoch zu Ross sitzt da der Prinzregent. Aber nicht etwa in Prunkuniform, wie sie seinerzeit „Mode“ war, sondern in schlichtem Jagdgewand, das er – ein bekennender Freund des Friedens und der Berge – immer am liebsten getragen hatte, auch dann, wenn er nicht in seinen Revieren zwischen Berchtesgaden und Oberstdorf unterwegs war. Das vom Großmeister Adolf von Hildebrand geschaffene Reiterstandbild war ursprünglich vor dem Nationalmuseum postiert. Hitler ließ es ein Stück nach Osten versetzen, weil er vor seinem Großbau für die Luftwaffe viel Platz brauchte.

Neben einer Reihe von Gedenktafeln finden sich im Stadtgebiet von München noch drei weitere Denkmäler des vielgeliebten Prinzregenten: eine fast drei Meter hohe Reiterstatue am Rathaus, eine Statue am Schäringerplatz in Neuhausen und eine Säule im Luitpoldpark, wo zum 90. Geburtstag des Namenspatrons 90 Linden gepflanzt wurden. In der Maxvorstadt ist sogar eine Luitpoldstraße zu finden.

Karl Stankiewitz

Ausführlich berichtet der Autor in seinem Buch „Prachtstraßen in München Band 2“, Verlag Bayerland über alle Gebäude an der Prinzregentenstraße.

Die Stadt München veranstaltet zum 100. Todestag des Prinzregenten Luitpold von Bayern am 12. Dezember 2012 um 19 Uhr in der Sammlung Musik im Stadtmuseum (St.-Jakobs-Platz 1) eine Gedenkveranstaltung mit Vorträgen und Musik. Der Eintritt ist frei.

Veröffentlicht am: 10.12.2012

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