Telefonaffe ade: Der Tierpark Hellabrunn verabschiedet sich endgültig von der populären Grafik des Künstlers Günter Mattei

von kulturvollzug

Schautafel am Elefantenhaus (Foto: Jasmin Körber)

Seit Anfang der 80er Jahre stehen die von dem Münchner Künstler Günter Mattei gestalteten Hinweistafeln überall im Tierpark.Nach den durch den Aufbau des Tierparks vorgegebenen Themen vermitteln sie den Besuchern durch die Kombination von Bildern und erläuternden Texten komplexes Hintergrundwissen zu dem, was sie auf ihrem Rundgang zu sehen bekommen. Diese leichte und ansprechende Form der Wissensvermittlung war durch die Zusammenarbeit des früheren Tierparkdirektors Henning Wiesner mit dem Künstler Mattei entstanden und ist auf seine Weise einzigartig. Unter den großen und insbesondere auch den kleinen Zoobesuchern erfreuen sich die Darstellungen seit jeher großer Beliebtheit. Lange sind sie nun allerdings nicht mehr zu sehen.

Schon vor einigen Wochen war bekannt geworden, dass der Tierpark Hellabrunn plant, Matteis Hinweistafeln im Januar abzumontieren, weil der mit dem Künstler abgeschlossene Nutzungsvertrag ausläuft. Zwar hatte sich der neue Tierparkdirektor Andreas Knierim nochmals um eine Einigung mit dem Künstler bemüht - leider vergebens. Auf Anfrage des Kulturvollzug bestätigte eine Sprecherin des Tierparks, dass „die Schilder fristgerecht zum 11. Januar 2011 abgehängt werden“.

Wurde zum Markenzeichen des Tierparks: der Affe mit der Banane (Foto: Günter Mattei)

Es war nicht das erste Mal, dass Mattei und der Tierpark aneinander geraten sind. Bereits im Juni 2009 warf der Künstler Hellabrunn Ideenklau vor, als man dort ein Werbeplakat veröffentlichte, auf dem ein Menschenaffe von Maikäfern umschwärmt wird. Mattei hatte in der Zeit, in der er für den Zoo tätig war, ein ähnliches Motiv erdacht.

23 Jahre lang hatte der seit 1971 in München lebende Grafiker Werbeplakate für den Tierpark entworfen, eine Zeit, in der Mattei die Außendarstellung des Tierparks entscheidend mitgeprägt hat. Das wohl bekannteste Plakat: Der Affe, der eine Banane als Telefonhörer benutzt. Das Motiv war lange Zeit das Markenzeichen Hellabrunns. Seit 2005 gehen die beiden Parteien jedoch getrennte Wege. Nach dem Bruch in jenem Jahr – der Zoo wollte damals auf ein neues Werbekonzept setzen und trennte sich von Mattei - blieben allein die von ihm illustrierten Hinweistafel. Über die Nutzung dieser für den Künstler urheberrechtlich geschützten Illustrationen  hatten die beiden Parteien im Jahr 2006 noch einmal einen befristeten Nutzungsvertrag abgeschlossen: Die insgesamt 52 Schilder durften gegen Zahlung von 10.400 Euro für fünf Jahre stehen bleiben. Diese Zeit ist nun abgelaufen.

Rettung in letzter Minute? Eher nicht. (Foto: Jasmin Körber)

In Hellabrunn hätte man mehrere Möglichkeiten gehabt: Den Nutzungsvertrag verlängern, was wiederum etwa 10 000 Euro gekostet hätte, einen Kompromiss mit Mattei finden, was misslang oder komplett auf die Schilder verzichten. Umgesetzt wurde Option drei. Der Aufsichtsrat des Tierparks hat sich gegen eine Verlängerung entschieden und will stattdessen die Entwicklung eines eigenen, neuen Konzeptes vorantreiben. Wie lange es mit dessen Planung und Verwirklichung allerdings dauert, ist völlig offen. Bis dahin bleibt der Platz, an dem bisher die Schautafeln interessierten Ausflüglern die Zoo-Welt erklärt haben, leer. Dem Publikum, so viel ist sicher, wird etwas fehlen.

Bleibt die Frage, was den Träger des Tierparks seinerzeit bewogen hat, sich auf eine derart ungewöhnliche Lizenzregelung, durch die kein dauerhaftes Nutzungsrecht gesichert wurde, überhaupt einzulassen. Die Entwicklung zeigt, dass man sich selbst in seiner Entscheidungsfreiheit eingeschränkt hat und nun unter dem Druck steht, Alternativen zu entwickeln und zu präsentieren. Der Beobachter ist geneigt, im Sinne des Wortes an einen Schildbürgerstreich zu denken.

Eine Baustelle mehr im Münchner Tierpark.

Veröffentlicht am: 05.01.2011

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