Die Band "Instrument" und ihr "Olympus Mons"

Ein Post-Rock-Gebirge, höher als der Watzmann

von Michael Grill

Ziemlich weit oben: Instrument. Foto: One Louder / Foris

Das Gute hält sich zäh: Die Musik der Münchner Band Instrument ist weder massentauglich noch zeitgemäß im Sinne der Club-Moden, auch wenn ihre nun fast auf den Tag genau zwei Jahre nach dem Debüt veröffentlichte zweite CD "Olympus Mons" noch etwas aufgefeilter wirkt. Hier sind Freaks am Werk, die in jeder Sekunde, in jedem Takt nach Perfektion suchen, und die diesen Anspruch auch an ihre Hörer weitergeben.

Bei Instrument gilt das böse Wort vom Post-Rock in vielfacher Hinsicht: Es umfasst hier die ganze Spanne von den frühen Soundgarden bis Wolfmother, man scheut weder bleiernen Bombast noch die versponnene Komplexität der 70er, man hat aber bei den Ravern das Tanzen gelernt. Hier tragen relativ junge Männer Vollbart, hier verliert man sich grübelnd in Klangschleifen und schätzt die Einsamkeit direkt vorm Lautsprecher, wo die Hosenbeine im Schalldruck flattern. Es dauert gut zehn Minuten, bis auf diesem Album erstmals Gesang zu hören ist - auch die menschliche Stimme ist ein Instrument von vielen und kommt nur dann dran, wenn das Klangbild es erfordert: Das ist nicht unbedingt die Kunst des Pop, aber es ist eine Kunst.

Instrument sind eine Art Nachfolger der 2008 verblichenen Band Cosmic Casino, ihr Kopf ist der Bassist Markus Schäfer. Auf dem fulminanten Debüt hatte ein Song namens "Watzmann" eine zentrale Funktion, jetzt geht es mit "Olympus Mons" auf den auf dem Mars gelegenen höchsten Vulkan des Sonnensystems: rockend ohne Pose, süßlich ohne Kitsch, und immer breitbeinig mit Faible fürs Epische. Das ist verschroben, wie Männer mit Bart ja meistens sind. Aber wer sich drauf einlässt, der hört hier mit Gewinn.

Instrument: "Olympus Mons" (Brokensilence). Live am 13. September 2012 in der Feierwerk-Kranhalle und am 21. September 2012 in Regensburg. Weitere Infos unter www.theinstrumentvillage.com.

 

Veröffentlicht am: 26.08.2012

Über den Autor

Michael Grill

Redakteur, Gründer

Michael Grill (1968) ist seit 2010 beim Kulturvollzug.

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