Zum Start des 21. Münchner Jazz Sommers

Warum der Bayerische Hof jetzt die heißeste Musik-Location der Stadt ist

von Michael Wüst

Sechs Tage Jazz am Promenadeplatz (Foto: Achim Manthey)

Gut, wenn der Jazz Sommer im Bayerischen Hof nicht mehr weit ist. Vom 16. bis 21. Juli 2012 schlägt der Puls der Musikstadt München im Nightclub am Promenadeplatz. Zum 21. Mal seit 1991 findet dieses Festival, der frühere "Münchner Klaviersommer", unter Beteiligung des Münchner Grandhotels statt. In seiner alleinigen Regie seit 2007, zum sechsten Male. Es bietet diesmal ganz besonders ein Programm, das in München noch viel mehr Beachtung verdient hätte, es ist ein echtes internationales Top-Programm.

Einen fulminanten, tropischen Auftakt, allerdings im Festsaal des Hotels, gibt Gilberto Gil, Weltstar der Música Popular Brasileira. "Tropicalia" nannte man die Rock-Samba-Fusion, mit der er bekannt wurde, bevor er als Kulturbeauftragter der Stadt Salvador und später als Kulturminister in der Regierung von Lula da Silva für ein paar Jahre abtauchte. Die Musik hat ihn allerdings schon lange wieder. Und die Bandbreite seines Stils zeigt sich heute stark bereichert, speziell um jamaikanische und nigerianische Farben. Gilberto Gil, ein wunderbarer Botschafter des musikalischen Wendekreises.

Auf die Ohren gibts auch was mit karibischem und südamerikanischem Schwerpunkt dieses Mal (Foto: Achim Manthey)

Ein weiterer Höhepunkt des Festivals, später am selben Abend, "The New Dave Holland Quartett". Der Bassist Dave Holland ist in vielen Stilen zuhause. In seiner unnachgiebigen, das jeweilige Thema bis zur Neige ausschöpfenden Art, eigenwillig und stets erkennbar, beackert der Engländer, der seine ersten Erfahrungen als Hausbassist im "Ronnie Scotts" machte, Funk, Rock, Traditional Jazz, ja Folklore wie auf seiner aktuellen CD "Hands", seit vierzig Jahren im Duo bis zum Oktett. Seit langem stabil ist das Quintett. Faszinierend, packend, wie hier geradezu exemplarisch vorgeführt wird, wie verschiedene rhythmische Strukturen und Phrasierungen zu einem dichten, homogenen Teppich gewoben werden können.

"Marc Ribot Y Los Postizos" - was soll man da jetzt sagen? Höhepunkt, es hilft nichts. Wenn es um Wiedererkennbarkeit, um Eigenwilligkeit geht, um den Faden erneut aufzunehmen: Da steht der Linkshänder, der eine normale Rechtshänder-Gitarre spielt, einsam an der Spitze. Marc Ribot ist gänzlich unverwechselbar. Mit dem brüchigen, verletzlichen, verletzten Ton seiner Gitarre, seiner Art sich kontrolliert zu versteigen, entsteht große Poesie. Die Cubanos begleiten in sanften Boleros Kinderlieder, die fern wie Blechbüchsen von Treppen stürzen.

"Mike Stern Band" - Mike Stern ist ein Sternenmensch. One of "Star People". Wie Dave Holland ebenfalls eine Entdeckung von Sternenskipper Miles Davies. Stern war Begleiter der Brecker Brothers, David Sanborns, Jaco Pastorius'. Er spielte mit John Scofield, Jach De Johnette, Bill Frisell, um nur einige zu nennen. Das war die Zeit der Band "Word of Mouth". Die "Mike Stern Band" heute steht klar in der Tradition des 1990er Jahre Brecker-Fusion-Sounds. Saxophonist Bob Franceschini, Dave Weck an den Drums und Chris Minh Doky am Bass kurven cool, funky und leicht zerschlissen über einen kalifornischen Mulholland Ddrive. Elegant und obskur - und sehr speedy.

Alfredo de la Fé: Wem der Münchner Sommer immer noch ein bisschen zu kühl ist, der hole sich bei diesem neunköpfigen Orchester der klassischen Manera Cubana mit den zwei Posaunen einen Satz heißer Ohren ab, der ihn wohlig durch den ganzen restlichen Sommer bringen wird. Ebenfalls Latin-Power kommt mit der Sängerin Ana Karina Rossi aus Argentinien. Einen thematischen Ausflug aus dem geschlossenen Festivalprogramm stellt der indische Tabla-Spieler Zakir Hussain mit seinen "Masters of Percussion" dar. Spannend aber auch der Auftritt der "Ginger Baker's Jazz Confusion". Ein ambitioniertes, engagiertes Progarmm, das hohe Erwartungen weckt.

Nähere Programminformationen unter www.bayerischerhof.de

Veröffentlicht am: 15.07.2012

Über den Autor

Michael Wüst

Redakteur

Michael Wüst ist seit 2010 beim Kulturvollzug.

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