Stadtmuseum besteht Feuerprobe: Großer Andrang bei der ersten Party als Puerto-Giesing-Nachfolger

von Michael Grill

Eine Premiere, bei der noch viel ausprobiert wurde: "Location Check" im Stadtmuseum. Foto: Archiv Museum@Night

Der Eingang wurde von Verzweifelten belagert, die nicht auf der Gästeliste standen und vergeblich Einlass begehrten, reichlich Security sicherte die Türen, und drinnen tanzten 400 Menschen vor gefühlt ebenso vielen Rauchverbotsschildern: Die erste als Party organisierte Nacht im Stadtmuseum von Donnerstag auf Freitag war eine Premiere, bei der noch viel ausprobiert wurde. Denn nie zuvor hatte sich die Kultureinrichtung auf diese Art für ein neues Publikum geöffnet.

Ergebnis am nächsten Morgen: „Wir sind alle zufrieden, haben ein sehr gutes Feedback für die Räume“, sagte Tobias Staab vom Veranstalter „Kongress“. „Es hat alles funktioniert, wir sind hocherfreut“, so Museums-Chefin Isabella Fehle.

Das Stadtmuseum als zeitweilige Party- und Veranstaltungs- „Location“ sorgt auch deshalb für so viel Wirbel, weil es überwiegend vom Team des Puerto Giesing (genauer: von einem Konglomerat aus den Veranstaltern vom “Kongress” und chromemusic.de sowie dem Puerto) organisiert wird, dessen Vorläufer im abgelaufenen Jahr aus einem ehemaligen Kaufhaus einen spannenden und auch überregional registrierten Ort für Kultur gemacht hatte. Gleichwohl gibt es mittlerweile viele Kritiker und Querulanten, die den Puerto-Veranstaltungen die kulturelle Relevanz absprechen und insbesondere im Internet regelrechte Verleumdungs-Kampagnen führen.

Davon war auf der ersten Party-Nacht im Stadtmuseum aber nichts zu spüren. „Es war so schön unbeschwert und entspannt“, schwärmte Fehle, die nach 23 Uhr von Bitter Lemon auf Cola Light umgestiegen war und bis ein Uhr blieb. Die Premiere fand unter besonderen Umständen statt, damit nichts aus dem Ruder lief und die Skeptiker in der Verwaltung beruhigt werden konnten. Wer kommen wollte, musste sich über eine Internet-Seite anmelden; die Kontrollen an Eingang waren streng. „Das Prozedere wird offener werden, es soll ja keine superexklusive Sache sein“, versprach Staab.

"Perfekt für das, was wir hier machen wollen." Foto: August cc

Insgesamt zwei große Räume im ersten Stock im Haupttrakt des Museum waren als Party-Zone im Anschluss an die Eröffnung der Herlinde-Koelbl-Ausstellung freigegeben worden. Die berühmte Fotografin blieb übrigens ebenfalls bis weit nach Mitternacht. Es gab zwei Bars und zwei Sound-Zonen – einen Dancefloor und einen ruhigeren Bereich, in dem auch Bilder von Herlinde Koelbl an die Wand projiziert wurden. Der Tanz-Bereich im hinteren Teil könnte demnächst durch einen weiteren großen Raum erweitert werden, erklärte Staab, ein Saal mit derzeit improvisierter Garderobe dürfte als zusätzlicher Veranstaltungsraum nutzbar sein.

„Man hat gesehen, dass die Location insgesamt perfekt ist für das, was wir hier machen wollen“, so die Veranstalter. Und Direktorin Fehle war angetan „von der Logistik und der Organisation“. Sie habe sich außerdem beim Publikum umgehört: „Einige junge Leute gaben zu, dass sie vom Stadtmuseum bislang nur das Stadtcafé gekannt hatten - und sich jetzt auch für das eigentliche Haus interessieren.“ Fehle: „Die Auflösung der Grenzen zwischen den Generationen funktioniert.“

Noch am Freitag wollten sich die Verantwortlichen zusammensetzen und das weitere Programm besprechen. Fürs erste dauert das Puerto-Giesing-Gastspiel im Stadtmuseum nur zwei Monate, weitere Einsätze der Kultur- und Partymacher sollen aber folgen.

Veröffentlicht am: 10.12.2010

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