Zur Debatte um die Münchner Kreativwirtschaft

Was gilt der Prophet im eigenen Kultur-Land?

von kulturvollzug

Selten in München: Leere Industriehallen, die Platz für Kreativwirtschaft bieten könnten. Hier die Tonnenhalle auf dem Gelände des künftigen Kreativquartiers. Foto: Kulturreferat

Ausgehend von den immer klarer werdenden Perspektiven um die Zukunft für das große Entwicklungsgelände an der Dachauer Straße kommt in München langsam, aber stetig, eine Debatte über die Kreativwirtschaft in Gang. München ist hier voller Chancen – macht aber noch viel zu wenig daraus. Dazu ein Gastbeitrag von Monika Renner, langjährige Stadträtin der SPD im Rathaus.

Große Heiterkeit erzeugte ein Redner vor einigen Wochen bei der ersten Kreativ-Wirtschaft-Woche der Metropolregion München im Feierwerk mit folgender Feststellung: München sei die einzige deutsche Stadt auf einem europäischen Spitzenplatz im Bereich der Kreativwirtschaft – nur in München selbst wolle das offenbar niemand zur Kenntnis nehmen.

Typisch München? Man sollte sich über das Selbstbewusstsein einer Stadt nicht wundern, die so etwas wie das Oktoberfest hat – eine globale Marke, die nicht einmal beworben werden muss. Denn sie ist ein „Selbstläufer“, wie auch das Tourismus-Amt immer wieder betont.

Die Unternehmensberatung Roland Berger setzte München erst kürzlich wieder auf Platz eins von zehn deutschen Städten, die sich einem sogenannten Kreativitätstest unterzogen hatten. Auch hier hat man offenbar einen „Selbstläufer“.

Es ist nicht zu übersehen: München und sein Umland verfügen im Bereich Kreativwirtschaft über eine beachtliche Kapazität. Das Angebot von hochwertigen Ausbildungsmöglichkeiten und Arbeitsplätzen sorgt dafür, dass junge Designer, Architekten, Modekreative, Schmuckkünstler und Medienschaffende stets in großer Zahl in der Stadt sind.

Und das kommt nicht von ungefähr. Design beispielsweise hat seine Wurzeln im Handwerk - und das hat gute Tradition in der Stadt. München hat allerdings keine Tradition in der Großindustrie. Das wirkt sich heute dann auch so aus, dass es kaum Industriehallen gibt, die in preisgünstige Ateliers umgewandelt werden können. Das wird ja auch immer wieder mit Bedauern von den Künstlern und Kreativen festgestellt, die von München nach Berlin abwandern.

Doch inzwischen ist es auch so, dass der eine oder die andere von den „München-Flüchtigen“ wieder zurück an die Isar kommt. Denn Infrastruktur, Auftraggeber und Fördermöglichkeiten durch die öffentliche Hand sind in dieser Qualität dann doch nur bei uns im Süden der Republik zu bekommen. Die außergewöhnlich stabile Wirtschaftslage der Stadt wird von den kleinen Betrieben, Werkstätten und Hinterhof-Designschmieden ebenso gesichert wie von den Weltkonzernen BMW und Siemens. Die Agenturen, Verlage und Kreativbetriebe sind dabei sowohl Auftragsnehmer wie auch Auftraggeber – eine lebendige Szene, die manch andere Schwäche Münchens mehr als wettmacht.

Trotzdem: Ist es trotz des umwerfenden Münchner Selbstbewusstseins nicht leichtsinnig, so sehr auf den „Selbstläufer“ zu vertrauen? Ist nicht auch hier längst der harte Wettbewerb der globalisierten Wirtschaft zu spüren? Die Stadt München tut in der Tat gut daran, diese Entwicklungen nicht dem Zufall zu überlassen.

München ist schließlich auch die Stadt mit den höchsten Mieten und Lebenshaltungskosten. Das macht es für junge Talente oft besonders schwer, sich überhaupt nur eine Existenzgrundlage zu sichern. Junge Talente brauchen professionelle Unterstützung. Deshalb gibt es Angebote wie Co-WorkingSpaces und andere Präsentationsmöglichkeiten.

Das städtische Wirtschaftsreferat wie auch das Kulturreferat bieten Beratung an, welche Möglichkeiten es gibt, doch noch an bezahlbare Ateliers und Werkstätten zu kommen. Darüberhinaus gibt es Förderprogramme und die Möglichkeit, Zuschüsse, Stipendien und Austauschvermittlung zu beantragen.

Die Landeshauptstadt München kann das Gesamtproblem aber nicht alleine lösen. Es ist notwendig, dass alle politischen Ebenen in diesem Lande gemeinsam an einem Strang ziehen. Das wird sich lohnen, denn gerade bei der Kreativwirtschaft entscheidet sich viel für unsere Zukunft. Und die Münchnerinnen und Münchner dürfen gerne etwas genauer hinschauen, wenn es darum geht, diese große Stärke unserer Stadt wahrzunehmen und zu würdigen.

Engagiert für das Kreativquartier: Monika Renner. Foto: SPD-Stadtratsfraktion

Monika Renner, Stadträtin der LH München

Zum Thema findet am morgigen Mittwoch (23. Mai 2012) um 18.30 Uhr in der Schwere-Reiter-Straße 2 (nicht zu verwechseln mit dem Spielort "Schwere Reiter") eine Informationsveranstaltung statt. Das Kulturreferat lädt in die Ausstellung des Planungsreferats ein, die die Ergebnisse des Ideenwettbewerbs zum „Kreativquartier“ zeigt. Moderiert wird die Veranstaltung von Sophie Wolfrum, Professorin für Städtebau und Regionalplanung der TU. Der Eintritt ist frei. Die Ausstellung ist ansonsten zu sehen bis zum 15. Juni 2012 (Mo - Fr 10 -18 Uhr).

Weitere Termine zum Kreativquartier:

25.Mai 2012, 16 – 17 Uhr Besichtigung der Jutier- und Tonnenhalle (Treffpunkt: Baustelleneinfahrt Dachauerstraße 110)

11. Juni 2012, 17 – 19 Uhr Stammtisch „Kreativen Raum schaffen“ im Klenze17 (Klenzestraße 17)

Mitte Juni 2012 – Diskussionsveranstaltung des Planungsreferats

Informationen der Stadt unter www.muenchen.de/kreativquartier

Veröffentlicht am: 22.05.2012

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