Murmel Clausens Romandebut Frettsack

Am Anfang war das bissige Frettchen Idi Amin

von kulturvollzug

Rasantes, hinreißend-lustiges Romandebut. Foto: Heyne

Jens Fischer wohnt in München und ist ein sympathischer, relativ bodenständiger junger Mann mit 37, der sich allerlei Gedanken über das Leben, das Alter, Beziehungen, Freundschaft, Liebe, Sex und Geldverdienen macht. Er geht gern was trinken, arbeitet auf Messen, zieht sich zurück, wenn es ihm zu anstrengend wird und versucht, halbwegs über die Runden zu kommen. Familien mit Kindern sind ihm meist suspekt.

 

Er ist aber nicht voreingenommen, sondern hinterfragt und überprüft seine Gedanken und ist dabei ziemlich ehrlich und schonungslos mit sich selbst. Manchmal gerät er unverhofft und unverschuldet in Schwierigkeiten, die er in der Regel kommentarlos an sich vorbeiziehen lässt. Manchmal allerdings denkt er laut, wenn er betrunken ist. In Gesprächen macht er wohldosiert kleine Scherzchen, versucht in Kontakt mit dem anderen Geschlecht zu treten oder wundert sich über das oft sonderbare Verhalten seines Mitbewohners Sven, der ihm schließlich einen Job als Samenspender vermittelt. Auch hier kommt es zu Konflikten, unter anderem mit der sehr hübschen, aber schrecklich reservierten Sprechstundenhilfe Frau Verena Matisse, die es gewiß gewohnt ist, von Samenspendern mit zweideutigen Bemerkungen angemacht zu werden und dies geschickt zu vereiteln weiß. Soweit, so gut.

Doch dann kommt Idi Amin ins Spiel. Idi Amin ist ein Frettchen, das sich zur Begrüßung in Jensens Hodensack verbeißt und ihn somit seiner Zeugungskraft beraubt. Nun hat Jens nur noch einen Wunsch: er möchte rausfinden, ob sein gespendeter Samen bereits eine Frau befruchtet hat, um zu sehen, wer die Mutter seines Kindes ist. Wie es weitergeht, weiß er noch nicht. Allerdings setzt er alles dran, seinen Plan umzusetzen. Hierbei kommt es freilich zu allerlei Verwicklungen und Dramen, in kleinen Haupt- und Nebensträngen werden hochinteressante Figuren etabliert, wie der serbokroatische Brachialprolo Hondo, die beiden sehr begehrens- und kennenlernenswert erscheinenden Frauen Jessi und Maren samt oberflächlichem Gatten Ralf, dessen langweilige Fußballfreunde, und diverse Doktoren mit Gefolge. Idi Amin samt der Frettchen-Dame Mutter Teresa (die später in Eva Braun umbenannt wird) hingegen kommt zwar nur am Rande vor, dafür aber hochprominent. Ferner wird man an viele nette Münchner Schauplätze wie das Drugstore, das Valentin Stüberl samt der Kernmannschaft Wolfi, Jan und Filip, die Milchbar, die Allianz-Arena und viele weitere historische Orte geführt.

Geschickt eingeflochten in die schwungvolle Erzählung findet man in „Frettsack“ prachtvolle Sätze wie "…(ich) habe schon immer so schnell wie möglich versucht, alles, was er sagt, wieder zu vergessen, da ich befürchte, dass mich allein die Kenntnis einzelner Pfeiler, auf die sich seine Lebensphilosophie stützt, zu einem dümmeren Menschen machen könnte." Oder "Über mein Gesicht laufen inzwischen Angstschweiß und Tränen, was andere bestimmt als guten Bandnamen durchgehen lassen würden…", oder "Die einzige Verantwortung, die ich für den Rest meines Lebens haben werde, ist die für mich, und ich bin mir bekanntlich egal." Sowie  "Mein Bauch kann so ein Arsch sein"

Murmel Clausen, der schon für zahlreiche erfolgreiche Comedyformate wie den Schuh des Manitu, Ladykracher oder die Bullyparade schrieb, hat mit seinem Romandebut „Frettsack“ ein hinreißendes, rasantes, lustiges und sehr philosophisches Werk geschaffen, das neben der liebenswerten Story auch noch einen Blick auf das unbeschwerte Leben im schönen München wirft und dabei wahrhaft kurzweilige, frische und sehr heitere Unterhaltung bietet.

Moses Wolff

Veröffentlicht am: 16.05.2012

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