Fil im Lustspielhaus

Geh nicht vorbei, hinter der Schale ist ein Ei

von kulturvollzug

Sharkey diskutiert mit Fil (Foto: Moses Wolff)

Er kommt auf die Bühne und ist unfassbar. Unfassbar lustig, unfassbar listig, unfassbar schlau und unfassbar anders. Ein Feuerwerk an frechen, hochphilosophischen, munteren, leichtfüßigen, klugen, absurden und über die Maßen komischen Nummern, die Fil da aus dem Ärmel schüttelt.

Weil ich ihn schon vor ein paar Jahren einige Male in Berlin erleben durfte, weiß ich, dass kein Abend dem anderen gleicht und man den Eindruck hat, dass selbst die Songs jedesmal neu und stets mit großer Freude interpretiert werden. Dazu mischt er großartige Parodien und fröhlich-kindliche Imitationen diverser Dialekte. Weil er das so luftig und süß macht, honoriert auch das Müncher Publikum die absichtlich verzerrt ausgesprochenen bayrischen Einwürfe mit lautem Lachen und jubelndem Applaus. Er ist ein Bazi, ein Schlawiner und ein Schlawuzi. Er zieht sein Publikum in seine bunte Welt aus Comicsprache, Lebensfreude, Musik und Leichtigkeit.

Etwa bei seiner sehr gelungenen Parodie der Toten Hosen. Da er früher in der Punk-Szene unterwegs war, hält er seinen gesunden Zweifel an der Glaubwürdigkeit dieser Truppe nicht im Verborgenen. So zitiert er Campino, der mit seiner Band bei einem Live-Aid-Konzert mitwirkte und sagte, er fände es zynisch, vor dem Elend der Welt die Augen zu verschließen. Fil: „Er hat recht. Und ich möchte hinzufügen: ich finde es auch zynisch, wenn das Elend der Welt herhalten muß für schlechte Musik. Die dürfen ja gern was spenden, aber warum müssen sie auch noch singen? Campino und die Toten Hosen möchten Punks, äh….bleiben. Aber Punks spenden glaub ich in der Regel eher weniger.“ Es folgt ein Lied im Stil der Toten Hosen, das „im schulmedizinischen Sinne“ von Fil selbst stammt und in dem er auf wunderbare Art deren politisch-angepasst-links-korrekten Stil persifliert. Ein Wahnsinn.

Wer mal in Berlin war und die Stadtzeitung Zitty gekauft hat, kennt die beiden märkischen Schweine Didi und Stulle, die in Comic-Kreisen längst einen enormen Kultstatus haben. Und auch hier wieder: zurecht. Denn er kann auch genial zeichnen und texten, der Fil. Ich besitze den ersten großen Band „Einen drin“ aus den Neunzigern, den ich immer und immer wieder gern lese und der im Regal auf der Ehrentribüne direkt neben den Asterix-Heften und meiner Titanic-Sammlung steht. Dass Fil ein Freund von Comics ist, merkt man spätestens, wenn er so redet wie Brösels Werner und hamburgisch schnackend völlig durchdreht. Die Zuschauer machen mit, es brodelt und die Gedanken flirren, man muß im eigentlichen Lachen noch mehr lachen und aufpassen, dass man sich nicht verschluckt, so geil ist die Performance. Als gegen Ende des Abends noch sein ständiger Begleiter, die Hai-Handpuppe Sharkey, selbst eine Handpuppe namens Jean Christophe mitbringt, der nur verzerrte Pieps-Laute von sich gibt, ist alles zu spät. Der Saal tobt. Tränen fließen vor Glück und Lustigkeit.

Zuletzt schlägt Fil dem Publikum vor, nach der Show mit ihm doch noch einen zu trinken. Im weiteren Verlauf könne man auch gern mit ihm schlafen, er sei zwar verheiratet, aber „ich bin auch nich treu oder sone rechtsradikale Kacke“. Fil macht einfach nur Freude. Und glücklich.

Moses Wolff

 

Veröffentlicht am: 27.04.2012

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