Spotlight auf die Lichtkunst: Die Architekturgalerie deutet auf eine Kunst im Dunkeln

von Michael Grill

Das ist nicht das Raumschiff Enterprise, sondern die Business Area in der umgebauten Münchner Olympiahalle. Foto: Andreas J. Focke

Die Lichtplanung ist neben der Landschaftsplanung das zweite Stiefkind der Architektur. Immer noch gilt sie als flüchtige Zierde, als lediglich schöne, aber temporäre Zutat zur manifesten Baukunst. Dabei ist es oft erst das Licht, das aus einem Volumen einen Raum, aus einer Kubatur einen Baukörper macht. Mit Licht kann man inszenieren, modellieren und manipulieren.

Ohne vom Publikum immer bewusst wahrgenommen zu werden, ist die Lichtplanung in den letzten Jahren immer wichtiger geworden, gerade bei Bauwerken im öffentlichen Raum, seien es U-Bahnhöfe oder Hochhausfassaden. Immer häufiger stellen Bauherren und andere Auftraggeber neue Anforderungen an die Qualität der Lichtgestaltung, denn sie schätzen die vom Licht hervorgerufene Emotionalität.

Die Kunst ist in der Rezeption der neuen Gestaltungsmöglichkeiten mit Licht oft schon viel weiter: Im nordrhein-westfälischen Unna ist zum Beispiel mit dem Zentrum für internationale Lichtkunst ein phantastisches Museum für Lichtarbeiten entstanden. Einige Projekte im Rahmen der Kulturhauptstadt Ruhr 2010 versuchten in Duisburg mit der „Twilight Zone“ am Innenhafen an dieses Niveau anzuknüpfen.

Raumschiff am Bahngleis: Der Zentrale Busbahnhof in München. Foto: Andreas J. Focke

In München residiert seit 1998 eines der mittlerweile weltweit führenden Designbüros für Tages- und Kunstlichtkonzepte: das Team um Gerd Pfarré von „Pfarré Lighting Design“ - natürlich von der breiteren, aber auch der architekturinteressierten Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt. Gerd Pfarré stammt aus der Schule des Designers Ingo Maurer – ebenfalls eine Münchner Institution, deren Größe und Bedeutung erst noch erkannt werden muss.

Die Architekturgalerie an der Türkenstraße hat nun ihren großen Verdiensten ein weiteres hinzugefügt, in dem sie erstmals der Lichtplanung eine eigene Ausstellung widmet.

„Licht ist Musik für die Augen - Pfarré Lighting Design zeigt Arbeiten aus den letzten zehn Jahren“ ist keine besonders opulente Schau, aber sie ist ein erster, wichtiger Schritt zur öffentlichen Wahrnehmung einer Kunst, die immer noch unterschätzt wird.

Mit Licht kann man inszenieren, aber auch manipulieren: Das Forum in Taschkent. Foto: Andreas J. Focke

Gezeigt werden 21 Projekte – von der Business Area in der umgestalteten Münchner Olympiahalle über das Klimahaus in Bremerhaven bis zum Palace of International Forums in der usbekischen Hauptstadt Taschkent. Der Münchner Architekt Fritz Auer, der als einer der ersten intensiv mit Lichtplanern kooperierte, sah bei der Eröffnung eine Verbindung zwischen den Sparten: „Der Architekt Max Taut bezeichnete Architektur als gefrorene Musik. Die Lichtplanung sieht sich selbst als Musik für die Augen. Musik schafft emotionale Räume – womöglich ist sie unser gemeinsamer Nenner.“ Sicherlich kommt bei aller Freude am Licht trotzdem immer erst der Bau – und dann die Lampe. Doch es ist eine Frage der Gerechtigkeit, die Kunst mit dem Licht in ihrer tatsächlichen Bedeutung zu erkennen.

Die Ausstellung „Licht ist Musik für die Augen“ von Pfarré Lighting Design ist bis zum 27. November in der Architekturgalerie München in der Türkenstraße 30 zu sehen. Informationen zum Büro über www.lichtplanung.com. Am Dienstag, 23. November wird im Rahmen der Ausstellung in der Architekturgalerie um 18.30 Uhr das Buch „Auer + Weber + Assoziierte“ von Falk Jaeger (Jovis Verlag) vorgestellt. Der Fotograf Andreas J. Focke ist erreichbar über http://architekturfoto.org.

Veröffentlicht am: 23.11.2010

Über den Autor
Andere Artikel aus der Kategorie
Spötzl-Schöfer
08.12.2010 09:05 Uhr

Schade, dass ich diese Ausstellung verschwitzt habe. Könnte ich gelegentlich Infos zu Vernissagen "Ausstellungen, Münchner Allerlei"

bekommen?

Mit freundlichem Gruß

R.M.S.S.

Michael Grill
08.12.2010 09:13 Uhr

Guten Tag, Spötzl-Schöfer,

es gibt die Möglichkeit, sich mit der Facebook-Seite des Kulturvollzug zu verlinken, dann bekommt man jeweils eine Benachrichtigung über neue Texte.

Mit besten Grüßen, Michael Grill

Artikel kommentieren...






Reload Image