Die Götter haben gute Laune: Deep Purple überzeugen drahtig und oberarmfrei in der Olympiahalle

von Michael Grill

Da fehlt nix. Zumindest fast nix. Foto: Büro van Almsick

Bevor es an diesem Abend in der Olympiahalle richtige Musik gab, wurde noch die Frage beantwortet, was eigentlich aus den 80er-Jahre-Artrockern von Marillion geworden ist. Sie sind noch genau das, was sie damals waren: Schwurbelsound-Künstler mit Hang zum Sentiment und zur übertrieben ernsten Pose. Einen kurzen Totalausfall der Tonanlage überspielten sie elegant und machten den Rest mit Liebe, Fleiß und Hingabe – was durchaus einige Sympathiepunkte brachte. Dann also: die Götter persönlich, Deep Purple, der fleisch- und faltiggewordene Hardrock.

Wer hätte gedacht, dass die nochmal die (nach ihrem Umbau übrigens richtig gut klingende) Olympiahalle füllen - zumindest zu etwa drei Viertel? Die Bühne ist superschlicht: Drummer Ian Paice stellt sich mit seinem Gerät nicht mal auf eines der üblichen Podeste – das kann sich nur einer der immer noch größten Schlagzeuger aller Zeiten leisten. Gitarrist Steve Morse spielt zwar oberarmfrei, hat aber ansonsten keine Allüren. Sänger Ian Gillan ist mit 65 so schlank und drahtig wie seit Jahrzehnten nicht. Und es geht, im Unterschied zu früher, recht spannungsfrei zu unter den Göttern. Das ist nicht immer gut für die Kunst, aber eine eine schöne Basis für knapp zwei Stunden gute Laune.

Eingeschwungen wird wie immer mit dem Shuffle von „Highway Star“, dann rumpelt man mit Schmackes durch die Klassiker „Hard Lovin' Man“ und „Maybe I'm A Leo“. Es folgt kein „Child In Time“ mehr, dafür aber sehr intelligent eingebautes neueres Material („Rapture Of The Deep“), unbekannteres und experimentelles auf früheren Zeiten („No One Came“), sowie das, was man hören muss: „Fireball“, „Lazy“, „Perfect Strangers“, als Zugabe „Hush“ und „Black Night“. Nichts davon ist ausgelutscht, selbst „Smoke On The Water“, tausendmal gehört, ist plötzlich wieder Musik von heute. Was fehlt? - Der musikalische Wahnsinn von Ex-Mitglied Ritchie Blackmore! Aber sonst nix.

Veröffentlicht am: 22.11.2010

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