"Steaming Satellites" in der Kranhalle lassen den Zeppelin fliegen

von Michael Wüst

Rock unterm Hirschgeweih. Steaming Satellites (Foto: Veranstalter)

„Salzburger Nockerln, Salzburger Nockerln… sind wie ein himmlischer Gruß“, sang Peter Alexander. - Vorbei. Aus is. Mit den „Steaming Satellites“ unterstrich das erneut eine elektrisierende Band aus Salzburg. Sie rockte zum Tourstart die Kranhalle kräftig und ließ so die Luft raus, dass kein Nockerl auf dem anderen blieb.

Schon vor wenigen Monaten hatte „Been Obscene“, eine Stoner-Band aus der Nockerlstadt von sich reden gemacht. Hat mit gar nicht Luftigem gelockt. Denn luftig ist das ja gerade nicht, was neuerdings aus Salzburg kommt. Besonders verpflichtet scheint das Neue jenem berühmten bleiernen Zeppelin, der festgezurrt an tiefen elektrischen Wurzeln der 70er Jahre heute noch über uns steht – vorausgesetzt eine Band vermag es, ihn erscheinen zu lassen. Den "Steaming Satellites" ist dies in der Kranhalle gelungen.

Von der ersten Sekunde an packt einen die Stimme von Frontmann Max Borchardt. Sie schlägt einen, sie schlägt in den Bann. Ja, da ging er tatsächlich auf über uns, der Led Zeppelin, diese Sonne der Black Country. Sicher in der Intonation und erstaunlicher, was so selten ist: eine traumwandlerische Sicherheit, die Worte zu „phrasieren“, zu dehnen, rhythmisch ganz hinten an den Beat zu setzen. „Laid Back“ nennt man das manchmal gerne, im letzten Moment noch aufzuspringen auf den Beat, auf den letzten Wagen des Taktzuges.

Unübertrefflicher Frontmann Max Borchardt (Foto: Michael Wüst)

Genau das erzeugt paradoxerweise den Groove nach vorne, es schnalzt, überholt sich rückwärts. Das macht einen großen Sänger und bei den "Steaming Satellites" den Grund aus, dass einzelne Songs einem vorkommen wie Hits vergangener Tage. Und so rührt es einen an, diese seltsame Fähigkeit von jungen Genien, die Geschichte des Rock durch den Raum schweben und Musik erleben zu lassen als eine Kommunion Vergangener und Heutiger.

Diesen Sänger umspielt eine gefährliche Magie, die er selbst auch an diesem Abend noch nicht ganz durchzustehen schien. Er verausgabte sich in der ersten halben Stunde derartig, dass er Mühe hatte, eine volle Stunde Konzert nach Hause zu bringen. Er wird sich eine gewisse Konzert-Ökonomie angewöhnen müssen. Er wird es vermutlich nicht. Denn die Diagnose lautet: Es ist viel zu viel Energie in diesen „Spaceships“. So einer der wundervollen Titel auf dem Erstling (!) „ The Moustache Mozart Affaire“ aus dem Stall des jungen Münchner Labels „The Instrument Village“. Ein Wurf, zweifelsohne.

Einiges überrascht auch am musikalischen Konzept der Band. Von alleinig elektrischen Wurzeln zu sprechen ist nämlich nicht ganz richtig. Neben dem Gitarristen Manfred Mader und dem Bassisten Daniel Ziock ist da Ema Krimplstätter an Keyboards und  dem Synthesizer zugange und auch Matthäus Weber an den Drums füllt auf mit Keyboards. Synthesizer in der Rockmusik? Da horcht der Purist auf. Was klopft denn da digital an meinen Felsen und stört meinen Kyffhäuser-Rock?

Er mag beruhigt sein und weiterdösen, das Eindringen des Digitalen tut dem Wesen dieses Rocks keinen Abbruch.

Eigentlich tut die Band da nur einen Schritt, der schon einmal in ähnlicher Weise vor bald 40 Jahren durch das Hinzukommen der Hammond-Orgel im Gitarrenrock geschehen ist, was progressiv gewertet wurde und dann den Begriff Prog-Rock brachte. Nun fand der professionelle Schubladinist für die „Staeming Satellites“ das Etikett „Space-Rock“. Ok, kann man machen. Die Burschen fliegen wirklich sehr hoch, Salzburg ist schon ganz schön klein geworden.

Veröffentlicht am: 27.01.2012

Über den Autor

Michael Wüst

Redakteur

Michael Wüst ist seit 2010 beim Kulturvollzug.

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