Gastrokritik zum Restaurant Huber: Wo die Austernpilze ums Linsenbett tanzen

von Michael Grill

Da haben wir uns so gefreut auf den neuen kulinarischen Hot-Spot Münchens, auf den „Geheimtipp für Gourmets“ (AZ) im stillsten Winkel von Bogenhausen, haben schon vorab im Internet die beeindruckend unprätentiöse Karte studiert – und dann das: Das Licht ist so grell und ungemütlich wie im OP-Saal, als wir kurz nach 20 Uhr Platz nehmen im Restaurant Huber, und von zwölf Gerichten auf der Karte ist ein Drittel (!) schon aus. Darf das sein, in einem relativ neuen Laden, der es bereits in den Guide Michelin geschafft hat, und für den das Münchner Feinschmecker-Publikum das Aufscheinen des ersten Sterns quasi stündlich erwartet?

Das darf sein, wenn der Abend so weitergeht wie in unserem Fall. Nach einer guten halben Stunde dimmt sich das Licht von selbst herunter und nun geht es nur noch um das eine: Essen. Aus dramaturgischen Gründen nehmen wir im Bericht jetzt mal den Nachtisch nach vorn: Der geeiste Nougat (13 Euro) ist ein Sahnehäufchen mit Nüssen; der Käse vom Tölzer Käsladen (kleine Portion 8.50) wird garniert mit einem Löffel Pflaumen-Confit. Den Abend begleitet das besonders feine und mega-biologische Plose-Wasser, das hier sogar zum erstaunlich günstigen Literpreis von 5.50 Euro abgegeben wird.

So, und jetzt geht’s richtig los: Der Küchengruß bringt Rukola-Frischkäse, Oliven, Vitnschgauer und Grissini - nicht die üblichen Trockenstangen, sondern welche, die ganz mürbe und buttrig sind, ein Gedicht! Auch das Olivenöl ist ganz weich und dokumentiert ein Prinzip von Koch Michael Huber: Alle Zutaten so ursprünglich und naturbelassen wie möglich. Und da wir hungrig sind und das amuse gueule komplett wegputzen, kommt der Gruß sogar ein zweites Mal.

Das Raviolo als Vorspeise (12.50) besteht aus lose aufeinander liegenden hauchdünnen Teigscheiben und bietet beim Biss einen herrlichen Wechsel der Geschmacksnoten: Erst die zarte Petersilie, dann der kräftige Pfifferling. Der Zander (12.50) ist kross und saftig, ihn begleitet eine Art Kohlrabi-Carpaccio und Joghurtsoße mit Zitrone und Kerbel – alles in perfekter Harmonie.

Vier Sätze zum Wein: Auch der offene Rheingau-Riesling ist schon aus, dafür wird ein Kloster Eberbach Steinberger (4.20) empfohlen (und erst zum Probieren gebracht). Dieser ist, ebenso wie der Burgenländer Chardonay (6.50), wie gemacht für diese Küche: ungewöhnlich stimmig in allen Facetten, ganz ebenmäßige Noten. Das trifft später auch auf den Blauen Zweigelt (4.50) zu: leichtes Tannin, elegante Bitterstoffe. Erst der umbrische Sucano (6.50) ist kräftig und rass – fast schon wieder ungewohnt in diesem Umfeld. (Der Wein wird übrigens in 0,1er Gläsern ausgegeben, die aber sehr gut eingeschenkt sind.)

Der Lammrücken im Hauptgang (26 Euro) ist zart und saftig, an manchen Stellen einen Tick zu blutig. Die Bohnen haben einen so herzhaften Biss, dass sie nicht jederfraus Geschmack sein dürften, aber auch diese Küche der Harmonie braucht mal eine Kante. Und die Kalbshaxe (20), die ist einfach der Wahnsinn: Ganz mürbe zerfällt sie schon auf dem Teller aufs zarte Linsenbett, drumherum tanzen saftig weich fritierte Austernpilze und tomatenrote Kartoffelteigstücken, wie Gnocchi von einem anderen Stern. Wenn Michael Huber so weiterkocht, wird bald ein Großteil seiner Karte schon mittags ausverkauft sein.

Newtonstraße 13, Di – Fr 11.30 – 14.30 Uhr und 18.30 bis 24 Uhr, Sa 18.30 – 1 Uhr, Reservierungen unter Tel. 985152, info@huber-restaurant.de. Diese Kritik entstand nach einem Besuch des Lokals im Juni 2010.

Veröffentlicht am: 11.11.2010

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