Volksmusik im Hofbräukeller

von kulturvollzug

[caption id="attachment_2318" align="alignright" width="225" caption="Foto: Siegfried Kultinger"]Foto: Michael Wüst[/caption]

Die Kleinkunstreihe „Brettl und Endlich“ will das Bewusstsein für klassische Volksmusik schärfen. Regelmäßig lädt sie dafür zu Aufführungen im Hofbräukeller ein.

Es ist was an dieser irischen Musik, etwas das irgendwo zwischen grünen, taubekränzten Wiesen und dem bierbeflecktem Tresen zu verorten ist, schmissig und doch auch wieder lässig, mal ernst, von den Tönen der Tin-Whistle umtanzt wie von den Füßchen kleiner Elfen aus den Fairy Tales. Also, schön ist irische Musik, wenn man sie live hören darf, das Kinn auf dem Rand des Bierglases gestützt.

Noch schöner ist es sogar, wenn jene Musik Abwechslung erfährt, in Gestalt bayerischer Musikanten etwa. Zu erleben ist derlei wieder im Hofbräukeller, jeden Montag Abend wird dort unter dem Motto „Brettl und Endlich“ aufgespielt. Der gemeinsame Nenner: Die Künstler wurzeln im Begriff „Volks“- „als Folk-Sänger, Volksmusikant oder Vertreter der etwas schrägeren und vor allem neuen „Volx-Musik“. Bei der jüngsten Auflage in Gestalt von „Bayerisch Extrem“, Isabella Mola und ihren Canzoni Italiane sowie dem irisch-schweizer Duo Paul Wyett und Bernie Bigler.

Der Gedanke hinter der Montags-Live-Bühne im Hofbräukeller ist so traditionell wie verlockend. Schließlich hat das „Brettl“ in München eine lange und ruhmreiche Geschichte. Man denke nur an Karl Valentin und Weiß Ferdl, die als Stegreifdichter, Kabarettisten, Sänger und Spaßmacher das Theater bereicherten. Die „Kleinkunst“ wurde auch in München groß. Und nun die Neuauflage, im an sich stilechten Hofbräukeller. Der Abend war ja auch, ums kurz zu sagen, stimmungsvoll und unterhaltsam.

Dennoch wuchsen die Zweifel. Wenngleich der Hofbräukeller in manchen Ecken schon noch einer guten alten Münchner Bier-Schwemme ähnelt – er ist keine. Das Haus hat viel und internationale Kundschaft, bietet aber nicht die Innigkeit und Intimität, derer die Kleinkunst bedarf, will sie mehr sein als Hintergrundrauschen zwischen Pfannkuchensuppe und Bayerisch Creme. Künstler für ein Brettl zu finden, die auch mal bös, verwegen und experimentell sind, ist schwierig. Noch schwieriger aber wird es, hier die Aufmerksamkeit und Konzentration zu schaffen, die eine Kunst nun einmal braucht, sei sie auch noch so klein. Beschallung oder Brettl - da täte eine Entscheidung not.

Jan Stöpel

Veröffentlicht am: 11.11.2010

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Franz Kotteder
11.11.2010 18:08 Uhr

Ja, aber was gibt's jetzt da an Volksmusik? Erst heißt's: Bayerisch. Dann ist's aber doch wieder irisch und schweizerisch und italienisch. Versteh ich nicht!

Jan Stöpel
11.11.2010 18:45 Uhr

Nun, das ist gar nicht so schlimm. Es heißt ja im Text auch, dass bayerische und irische und sonstige Volksmusiken sich abwechseln, und das ist schon so gemeint.Es gibt ja auch außerhalb von Deutschland Volksmusik oder eben Folk. Aber - stimmt! - an dem Profil wäre noch ganz schön zu arbeiten!

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