Erfreuliche Entdeckung in Donizettis Maria Stuarda

von kulturvollzug

Feurige Newcomerin in München: Alexandrina Pendatchanska. Foto: pendatchanska.com

Wird ein Starsänger krank, ist das die Chance für den Nachwuchs. Wie oft schon sind junge Sänger eingesprungen und haben damit ihren Durchbruch geschafft. Dieses Operngesetz ließ sich auch am vergangenen Freitag in der Philharmonie beobachten.

Eigentlich sollte Vesselina Kasarova in Donizettis Maria Stuarda die Königin Elisabetta singen, doch wegen einer Kehlkopfentzündung musste sie ihren Auftritt absagen. Ihr Ersatz, die junge Alexandrina Pendatchanska, wurde zur Retterin des Abends. Sie sang die Mezzosopranpartie der Elisabetta mit tiefen Tönen von ungewöhnlicher Schärfe, die vermuten lässt, dass sie sich in Sopranlage wohler fühlen könnte. Viel wichtiger jedoch ist die dramatische Kraft, die sie in die Rolle legte - beispielsweise im Disput mit Leicester (Stephen Costello) am Ende des ersten Aktes. Sie fauchte das Notenpult an, als ob sie das Todesurteil Marias zu unterschreiben hätte. Als i-Tüpfelchen stand mit Pendatchanska eine junge Bulgarin auf der Bühne, deren Timbre wunderbar mit dem der Landsmännin Krassimira Stoyanova (Maria Stuarda) harmonierte. Die Sopranistin war die dominierende Figur des Abends und verlieh der Maria stimmliche Jugendlichkeit, gleichwie sie in der Begegnung mit Elisabetta im zweiten Akt leidenschaftlichen Zorn glühen ließ.

Einer Stimme wie der von Stephen Costello prophezeit man gerne eine große Karriere. Sein warmer Tenor ist technisch gut geführt und tragfähig. Wären da nicht einige irritierende Marotten wie permanentes Hüsteln und scheinbare Unbeteiligtkeit. Die Nebenfiguren gaben einen soliden Rahmen: Gheorghi Kirof sang den Talbot etwas zu kurzatmig, dafür mit schwarzer Stimme, Adam Kim mimte bereitwillig den bösen Cecil und Ashley Thouret verkörperte die treue Anna.

Das Münchener Opernorchester unter Massimiliano Murrali und mit Konzertmeister Svetosar Anatchkov vom Gärtnerplatztheater gab einen feinen dezenten Klang. Der Münchener Opernchor sang trotz der überschaubaren Anzahl der Mitglieder mit voller Kraft, kam leider aber den piano-Bitten Murralis nicht nach.

Sarah Hilgendorff

Weitere Vorstellung heute Abend (05. Dezember), Karten für 18€ bis 142€ auf www.muenchenticket.de.

Veröffentlicht am: 05.12.2011

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