Sehenswerte Menetekel

von kulturvollzug

Effiziente Raumnutzung: Das meerumspülte Venedig. Bild: Alex MacLean

So schön wird selten vor Umweltzerstörung gewarnt: In seiner Ausstellung "Vegas - Venice" zeigt der Photograf und Pilot Alex MacLean, dass man nicht jeden Traum verwirklichen sollte.

Bei manchen seiner Fotos hat man dieses Empfinden, das sich auch Betrachten der Bilder Andreas Gurskys einstellt: Da reiht sich Detail an Detail, Einfamilienhaus an Einfamilienhaus, Parzelle an Parzelle, Golfbahn an Golfbahn, bis sich ein abstraktes Muster ergibt. Der Unterschied: Gursky hat seine Bildteppiche in der elektronischen Bildbearbeitung zusammenkopiert, der amerikanische Fotokünstler und Pilot Alex MacLean hingegen nimmt als Zutaten nur den richtigen Abstand vom Boden, die richtige Perspektive und einen Bildausschnitt, der angetan ist, uns das Automatenhafte und letztlich Irrwitzige menschlicher Planungen vor Augen zu führen.

Auf Sand gebaut: Typische US-Siedlung in der Wüste. Bild: Alex MacLean

Bereits in seinem grandiosen Bildband „Over. The American Way of Life oder das Ende der Landschaft“ (Schirmer/Mosel, 2009, 336 Seiten, 58 Euro) führte er seine Kunst vor, trügerisch schöne Bilder zu schaffen. Manchmal zeigen sie erst auf den zweiten Blick, dass sich der (nicht auf die USA beschränkte) Traum von Konsum, Eigenheim und großem Auto wie ein Krebsgeschwür in die Landschaft frisst. „Over“ war, fotografiert noch vor dem ganz großen Wirtschaftsdesaster, so etwas wie der Überflug über eine Gesellschaft, für die es bald heißen könnte: „Game over“. Zu Recht gab’s dafür vergangenes Jahr den bayerischen Buchpreis „Corine“.

Derzeit ist MacLean in München zu sehen, in den kleinen aber schönen Räumen an der Römerstraße, in denen die Eres-Stiftung Kunst und Wissenschaft im Dialog zusammenbringt. Der Titel seiner Ausstellung lautet „Vegas – Venice“ und ist ein Doppel-Portrait zweier sehr unterschiedlicher Städte.

Wieder zeigt MacLean darin, wie das Streben des Menschen, Träume wahr werden zu lassen, ein empfindliches Gleichgewicht womöglich irreparabel schädigt. Zwei eigentümliche Städte teilen da ein Schicksal: Beide wurden sie einer ungünstigen Landschaft abgerungen, beide ziehen die Menschen an, beide machen noch immer den grandiosen Einsatz von Ressourcen nötig. Und beide stehen vor großen Gefahren. Demnächst bringt Schirmer/Mosel das Doppelportrait als Bildband heraus – ein Weihnachtsgeschenk, das man sich selbst machen sollte, will man nicht liebe Menschen mit beunruhigend schönen Bildern irritieren.

Noch bis 13. November in den Räumen der Eres-Stiftung an der Römerstraße 15, nahe Trambahnhaltestelle Kurfürstenplatz, samstags von 11 bis 17 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung 089 388 79 0 79.

Jan Stöpel

Veröffentlicht am: 03.11.2010

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