Nach uns die Abrissbirne

von Michael Grill

Sigurd Kämpft in jungen Jahren Foto: Trikont

Die verhinderte Legende Sigurd kämpft spielte nach mehr als 25 Jahren wieder vor Münchner Publikum

Einen Kampf brauchte es nicht, es war ein ganz leichtes Spiel für eine Legende der deutschen Rockmusik: Sigurd kämpft traten im Puerto Giesing nach mehr als 25 Jahren noch einmal vors Münchner Publikum. In ein paar schnellen Sommern Anfang der 80er war die Band aus Erding zwischen allen Stühlen gesessen: Die Hippies auf der einen Seite, die Punks und Waver auf der anderen – dazwischen ein kreatives Wunder mit bayerischen Texten und struktureller Renitenz.

Das passte einfach nirgendwo rein, egal wieviel Talent und Witz und Dada sich da Bahn brachen. Sigurd kämpft waren in Bayern ungefähr das, was damals Schwoisfuaß im Schwäbischen waren – eine vergebene Riesenchance.

Sigurd kämpfte sogar auf der Zugspitze Foto: Trikont

So versammelten sich im Puerto vor allem diejenigen, die wohl schon auch „damals“ dabei gewesen waren und zum Teil heute noch Wort für Wort mitsingen können. Erst schaute man die alten Videos, die inzwischen auch alle bei Youtube laufen, dann ging's – spät in der Nacht – los mit dem Slapstick vom „S'Zwoafuchzger Büffet“ und dem Landstraßen-Rock „Ihr habts eich deischt“. Sigurd kämpft sind tatsächlich noch die alten: spröde, aber knackig und engagiert, kreativ und originell, doch auch irgendwie ungelenk, unfertig. Die Performance von Sänger Max Hupfer hat die Qualitäten einer echten Rampensau, die Sologitarre ist immer noch eine Spur zu cool.

Das Handwerk war großteils perfekt, und wenn nicht, dann musste man eben grinsen: „Zu diesem Lied haben wir uns einen neuen Schluss einfallen lassen. Und zwar gerade eben“, so Hupfer. Zum Puerto meinte er, vermutlich in memoriam Alabamahalle: „Jedes Mal das Gleiche – nach uns wird die Halle abgerissen.“

[caption id="attachment_2077" align="alignright" width="200" caption="Sigurd Kämpft 2010 im Kulturhafen Foto: Michael Grill"]Sigurd Kämpft 2010 im Kulturhafen Foto: Michael Grill[/caption]Von „Frau Müller“ über „Rambazamba Everywhere“ bis zu „Sierra Sche-war's-ja“ war alles dabei, es wirkte nicht von gestern, und „Made in Germany“ ist sowieso zeitlos. Der Wahnsinn mit Hardrock, Reggae, Ska und grobem Unfug (siehe „Gwaro Nixdo“ ff.) könnte jetzt gern von vorn beginnen. „Bled wern ma sei und irgendwie weitermacha“, grantelte der Hupfer Max. Schau ma mal.

Sigurd kämpft: „Da Elefant is fertig / Pfui Pfui“ (Trikont). Live kämpft Sigurd ein (angeblich) allerletztes Mal im November in Dorfen – der Termin wird auf trikont.de bekanntgegeben.

Veröffentlicht am: 02.11.2010

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Arielle
06.07.2011 07:34 Uhr

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Mon francais n'est pas tres bon, je suis de l'Allemagne.

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