Gelungener Saisonauftakt in der Bayerischen Staatsoper: Kasarova überzeugt als Carmen

von kulturvollzug

Vor den Toren Sevillas: Die Bayerische Staatsoper eröffnet mit ihre Spielzeit mit dem Klassiker "Carmen". Foto: Bayerische Staatsoper

Die Bayerische Staatsoper eröffnet die neue Saison mit George Bizets Klassiker "Carmen". Und Vesselina Kasarova macht klar, wer Herrin in der Arena ist.

Kasarova macht vom ersten Ton der Habanera an klar, dass sie im vollen Besitz ihrer stimmlichen Kräfte ist, die Mittellage üppig, hohe Töne punktgenau. Nach vermeintlichen Wackelpartien mag das manchen Fan erleichtern, manchen Kritiker Lügen strafen. Brandon Jovanovichs Don José ist mehr von der Hau-Drauf-Sorte. Seine Stimmgewalt ist beeindruckend, an manchen Stellen hört man gar zuviel davon. Dazu gesellt sich der eine oder andere ruhige Moment wie am Ende der Blumenarie, wo er mit einem mezza voce weich wie Sahne aufwartet. Da kann man schon verstehen, wieso er einer der begehrtesten Don Josés der letzten Saison war.

Die klare Gewinnerin des Abends ist aber Aga Mikolaj, nach deren Arien Beifallsstürme losbrechen. Und das ganz zurecht. Sie verleiht dem Landei Micaëla viel Sympathie und singt mit aller Innigkeit. Vierter im Bunde war Gerald Finley als Escamillo. Er singt einen sinnlichen wie stimmlich agilen Torero. Einer Carmen wird es da nicht schwer fallen sich in ihn zu verlieben.

Dan Ettinger hat am Dirigentenpult alle Zügel in der Hand. Der Blondschopf geht mit klarem Blick für die Stimmungen an die Partitur. Speziell im vierten Akt stellt er mit aller Eleganz die Dramatik der Situation heraus, anstatt in den zu Handyklingeltönen degenerierten Melodien Bizets zu schwelgen.

Zu guter Letzt drückt Vesselina Kasarova Brandon Jovanovich noch ein dickes Bussi auf und das Publikum verlässt gut gelaunt den Saal. Die Habanera pfeifend verabschiedet man sich und ruft einander noch zu, dass diese Spielzeit mit dem "Ring" ja eine ganz besondere werde. Ein gelungener Auftakt zu dieser Saison wäre jedenfalls geleistet.

Sarah Hilgendorff

Nächste Vorstellungen am 18. und 21. Oktober 2011, jeweils 19 Uhr im Nationaltheater.

Veröffentlicht am: 18.10.2011

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