Zum Angezapftsein ein bisschen Wiesnkultur: Bis dass mein Schwein pfeift - der Vogelpfeifer, musikkritisch gesehen

von Michael Grill

Auch heuer pfeifn's wieder: Dee Vogelpfeifer (Foto: Achim Manthey)

Der Berger Horst und seine Söhne Peter und Tobi sind als „Dee Vogelpfeifer“ eine  eigene Tradition auf dem Oktoberfest. Ihr Stand befindet sich, wie es so schön heißt, "zu Füßen der Bavaria". Wir haben uns das mal angesehen und vor allem: angehört.

Die Aufführungen beginnen meist gegen Mittag und dauern bis in die Abendstunden. Die Bühne ist gegenüber dem Auditorium deutlich erhöht, aber nur etwa einen Quadratmeter groß und liefert somit keinen Beitrag zur Münchner Konzertsaaldebatte. Zwischen den musikalischen Darbietungen werden dem dispersen Publikum handgeschnittene Wurststückchen serviert, was dessen Aufmerksamkeit merklich erhöht. In den Staub gefallene Instrumente sind mit Wasser zu reinigen, das hier allerdings „Gänseschnaps“ heißt.

Auch dass die an einer Seitenwand angebrachten Noten zwar über einen Violinschlüssel, aber nur über vier Linien verfügen, lässt Zweifel aufkommen, ob die Interpreten immer mit dem gebotenen Ernst bei der Sache sind. Vordergründig sind Zwitschertöne zu vernehmen, die man als Vorläufer des Twitter-Wahns werten kann, möglicherweise aber nur eine Nachtigall sein sollen.

Doch wenn der Berger Horst und seine Söhne unter dem DSDS-artigen Künstlernamen „Dee Vogelpfeifer“ so richtig den Gaumen wetzen, dann ist man beglückt. So mancher glaubt gar, sein Schwein pfeift angesichts der Begleitgeräusche, die „Volksmusik“ genannt werden, vom Band kommen und verblüffend stringent Durtonart und 4/4-Takt halten.

Wer will, hört das Theremin von Led Zeppelin oder den Beach Boys heraus, aber auch Bruckner, Beethoven und ähnlicher Thielemann-Kram sowie Philip Glass könnten Pate gestanden haben. Anklänge an Free Jazz und New Age runden die Aufführung gediegen ab. Stehende Ovationen, denn hier kann ja keiner sitzen.

Bis zum 3.Oktober 2011 täglich "unterhalb der Bavaria".

Diese kleine Besprechung erschien in der Abendzeitung vom 30.9.2009 und wurde aus aktuellen Anlass frisch durchgesehen und für gut und aktuell befunden.

Veröffentlicht am: 18.09.2011

Über den Autor

Michael Grill

Redakteur, Gründer

Michael Grill (1968) ist seit 2010 beim Kulturvollzug.

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