Annette Neuffer Quintet: The Music of Billie Holiday and Lester Young

von Michael Wüst

Annette Neuffer (Foto: Michael Wüst)

Der Tod von Amy Winehouse hatte aufgerührt und empfindlich gemacht, eben auch für die große Vorgängerin, für Billie Holiday: Gardenie im Haar, Träne in der Stimme. Der Blues, Alkohol und diese Männer. „He isn´t true, he beats me too, what can I do – oh my man, I love him so.“(The Man) Und man sah vor dem inneren Auge, wie Amy Winehouse von der Bühne aus immer wieder ängstlich Ausschau gehalten hatte nach ihrem Loverman, wie sie zappelte an seiner Angel.

 

 

 

Beim Annette Neuffer Quintet in der Unterfahrt ging es mit „The Music of Billie Holiday“ allerdings nicht um die schwarze Seite der „Lady Day“. So nannte Leicester Young sie, ihr langjähriger Partner am Tenorsaxofon. Mit Claus Raible am Piano und Claus Koch am Tenorsaxofon war von der Besetzung her schon klar, wohin das Pendel schwingen sollte. Eben dorthin; zum Swing, was aber dem Abend keinen Abbruch tat.

Und so funkelte jede Menge Starlight der 30er und 40er Jahre „East of the Sun and west of the Moon“, „What a little Moonlight can do“ und „Are there Stars out tonight”. Aber Annette Neuffer imitierte nicht. Sie eignet sich. Mit einer Billie Holiday ähnlichen, lieblichen Höhe, allerdings weniger Vibrato und einer kräftigen, nicht Umwelteinflüssen geschuldeten Tiefe, kann sie die Songs gut umsetzen. Das kleine Aufmüpfige, diesen Kiekser, diesen Sprung über eine Lücke (Hiatus), der für Billie Holiday so typisch war, den versucht sie erst gar nicht. Das ist gut so.

Nach Cole Porter´s „Easy to love“, bei dem Giorgos Antoniou (Bass) und Claus Raible (Klavier) in witzigen Uptempo-Spiegelfechtereien den Abend von der Stimme wegzuführen scheinen, kommt dann doch noch eine Ballade, sogar von der letzten Holiday-Platte: „You´ve changed“. Wie Ben Webster, Coleman Hawkins oder Leicester Young bezeugt auch Claus Koch eindringlich die Schönheit, die Liebe, die zwischen Tenorsaxofon und Stimme besteht. Ob das für die Menschen hinter den Instrumenten auch gilt? Da mag oft geirrt worden sein.  Claus Koch ist, um es fast sportlich zu

sagen, vielleicht der kompletteste Saxofonist in München. Für ihn gilt an diesem Abend: from Pres to Dex, von Leicester Young zu Dexter Gordon. Im Stil und Ton ähnlich wie Dexter Gordon in seinen besten Jahren, etwa als 40Jähriger, sind bei Claus Koch alle Licks, Arpeggios, Skalen, ist alles Rüstzeug hochmelodisch legiert. Swing, Bop und Ballade, alles ist eingegossen in einen großen bronzenen Ton. Und hochmelodiös ist das alles. Das ist der Loverman, der seine Sängerin so sehr nötig hat.

Veröffentlicht am: 27.08.2011

Über den Autor

Michael Wüst

Redakteur

Michael Wüst ist seit 2010 beim Kulturvollzug.

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