"Tristan und Isolde": Nach dreizehn Jahren noch frisch und munter

von kulturvollzug

Tristan und Isolde, Richard Wagner, Inszenierung Peter Konwitschny 1998 (Foto: Wilfried Hösl)

Munteres Finale der Münchner Opernfestspiele: "Tristan und Isolde" überzeugte mit einer strahlenden Isolde.

Schön war Tristan kaum je auf der Opernbühne. Fast immer verkörperten ihn Kolossalkünstler: entweder zu lang (Windgassen) oder zu kurz (West). Oder zu dick. In die Klammer muss jetzt der Tristan, der die Münchner Opernfestspiele 2011 beschloss: Ben Heppner. Der stämmige Kanadier traf mit einem pressknödelig gesungenen ersten Aufzug – wenn er auf frisch und munter dahin treibendem Schifflein mit der „irischen Maid“ den Brautwerber für Oheim Marke mimt – auf ein nachsichtiges Publikum.

Weise war's, nicht gleich mit Buhs zu ätzen. Denn Heppner machte, obschon erst im dritten Aufzug im Reha-Sessel, eine ausgezeichnete, beinahe vollendete Tristan-Figur. Das ist rein gesanglich gemeint. Von einem gut anzu- und aussehenden Isolde-Lover war Heppner nämlich so weit entfernt wie damals, vor 13 Jahren, als Peter Konwitschnys zweite Nationaltheater-Regie Premiere hatte. Da kam Jon Frederic West als Schwanenritter daher. Der US-Amerikaner sang allerdings alle drei schweren „Tristan“-Akte durchweg formidabel.

Nun aber gibt es ja in Richard Wagners Spätwerk, „o Wonne voller Tücke!“,  noch „Isolden“. Und die war bei Nina Stemme endlich mal wieder eine strahlend bis in Spitzentöne und in Kellertiefen edel  glänzende Lady: ein Sopran, der zugleich berührt und erbeben lässt, ein Isolde-Ideal. Mädchenhaft der Gestus der schönen Schwedin, fraulich ihre souveräne Attitude, reif und rund ihre nuancierte, textverständliche Diktion, und das durch die ganze vier Stunden lange Oper. Diese Isolde klingt deshalb hehr und hell.

Um das „wonnig Paar“, das, sich aus dem Karneol-Chaos ausklinkend, im schwarzen Totenhemd in Regie-intendierter Gleichförmigkeit in den Freitod geht, sieht und hört man Wagner-Sänger von hohen Graden: Ekaterina Gubanova als wohllautend-kernige Brangäne (deren Warnrufe das laute Orchester auf dem Gewissen hat), Alan Held als (um einige Phonstärken zu knalliger) Kurwenal, wohl aber der zu Recht mit Applaus-Gebraus bedankte René Pape als würdevoll-junger, abgeklärter König Marke.

Auch vor 13 Jahren stand der GMD am Pult. Nur hieß der damals Zubin Mehta und konnte mit dem beschmunzelten bis abgelehnten Konwitschny-„Tristan“ einen satten, aber auch hochdifferenzierten Wagner durchhörbar machen. Das gelang Kent Nagano nicht so (be)zwingend. Bei ihm hörte man ein Zuviel des Guten , das oft zum Massiven, Steinharten verbuk. Dass ihn, den so Feinsinnigen, die Bläser (ausgenommen die Englisch-Hornisten auf der Bühne im 3. Aufzug) mehrmals im Stich ließen, ist bedauerlich. Doch das Publikum ging gnädig mit Nagano und dem Staatsorchester um, dafür rupfte es den aus der 9. Reihe zum Schluss-Vorhang auf die Bühne gestiegenen Regisseur. Mag Johannes Leiackers kindlicher Kasperletheaterguckkasten auf Ablehnung  stoßen – Konwitschnys Figuren haben allesamt Charakter. Und das noch nach 13 Jahren.

Hans Gärtner

Anmerkung (1. August 2011, 9 Uhr): Ein "sich steigernder Schwanenritter" wurde als Fehler der Textproduktion erkannt und aus dem Vorspann entfernt.

Veröffentlicht am: 31.07.2011

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Fred Keller
01.08.2011 12:10 Uhr

ja ja die tristan schwanenrittermeldung geistert schon durch die opernforen.

fehler der textproduktion? wer produzierte denn den?

Kulturvollzug
01.08.2011 15:51 Uhr

Hallo Herr Keller,

das ist uns in der Redaktion beim \"Bauen\" der Seite passiert. Der Autor ist unschuldig.

Wir hoffen, Sie haben trotzdem weiterhin viel Spaß bei der Lektüre!

mfg M. Grill, Kulturvollzug

Wolfgang Habermann
02.08.2011 10:11 Uhr

Und daß J.F. West dann als Schwanenritter daherkam, wie es weiter unten im Artikel heißt, das ist auch in der Redaktion passiert ?

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