Zum Start des Sommer-Theatrons: Interview mit Kulturreferent Küppers über die kostenlose Münchner Festivalkultur

von Michael Grill

Jetzt geht er los: Der Musiksommer am Olympiasee. Foto: Theatron

Hans-Georg Küppers ist seit 2007 Münchner Kulturreferent, zuvor war er Dezernent für Kultur, Bildung und Wissenschaft der Stadt Bochum. Nach der erfolgreichen zweiten Auflage des Klangfestes im Gasteig und zum aktuellen Start des Theatron Musik Sommers, der heuer bis zum 21. August dauert, sprach der Kulturvollzug mit Küppers über die Perspektiven für kostenlose Festivals in München.

Herr Küppers, es ist – zumindest kalendarisch – Sommer und viele drängt es zur Kultur nach draußen. Welche Rolle spielen für Sie Veranstaltungen wie das gerade anlaufende Theatron-Festival oder auch das Klangfest?

Will um Theatron und Klangfest kämpfen: Kulturreferent Küppers. Foto: Kulturreferat

Hans-Georg Küppers: Wir bieten mit dem Klangfest und dem Theatron zwei Festivals an, die auf einem hohen Niveau agieren und dabei ein breites und auch sehr junges Publikum ansprechen. Dazu gelingt es, auch das mittelalte Publikum einzubeziehen, zu dem ich mich auch mal selbst zählen möchte. Mir ist es sehr wichtig, dass wir die Fähigkeiten, das Können und auch die innovativen Impulse, die Musik in München hat, in dieser Breite und bei freiem Eintritt darstellen. Das ist für mich in der besten Form „Kultur für alle“.

Zum Klangfest hatten Sie gesagt, das Konzept sei „so einfach wie überzeugend“. Aber haben Veranstaltungen dieser Art auch eine langfristige Perspektive?

Auch wenn es nicht das einzige Kriterium ist: Der Besucherzuspruch beim Klangfest wie auch beim Theatron zeigt, dass es für diesen Bereich der Musik ein sehr großes Publikum gibt, das sehen und hören will. Das Theatron ist ja schon seit vielen Jahren das größte und längste Festival seiner Art. Es ist unser Wunsch, das Klangfest in Kooperation mit dem Verband unabhängiger Musikunternehmen und den vielen Labels in der Stadt auch zu einer solchen Institution zu machen.

Das Theatron ist längst eine Institution - gleichwohl konnte die Pfingstausgabe des Festivals heuer gerade so noch gerettet werden. Wie gefährlich ist die Finanzlage hier?

Im Kulturbereich sind solche Projekte immer wieder mal gefährdet wegen der Finanzen. Aber wir haben es bislang immer wieder geschafft. Beim Pfingttheatron muss man berücksichtigen, dass wir als Kulturreferat dort weniger beteiligt sind als am Sommertheatron. Aber da wir die Notwendigkeit für solche Angebote sehen, werden wir alles daran setzen, dass auch in Zeiten knapper Finanzen gerade diese Angebote erhalten bleiben. Sie sind und bleiben ein ganz besonderes Angebot für das Publikum in dieser Stadt: Dort wird wirklich ein Fest mit Kultur gefeiert.

Wie engagiert sich die Stadt genau?

Beim Klangfest ist es so, dass wir die Räume im Gasteig zur Verfügung stellen, wir übernehmen die Mieten und die Nebenkosten. Das ist der ganze Gasteig bis auf die Philharmonie. Das sind schon erhebliche Summen, es geht da um rund 50000 Euro. Das Theatron Festival im Sommer hat einen Gesamtetat in Höhe von 113000 Euro. Das Kulturreferat der Stadt München übernimmt von dieser Summe 43000 Euro und stellt zudem die Technik sehr kostengünstig zur Verfügung. Der Rest wird von Sponsoren und Förderern getragen, unter denen die Olympiapark GmbH und die Kulturstiftung der Stadtsparkasse als Hauptförderer zu nennen sind. Das Pfingsttheatron wird vom Jugendkulturwerk gefördert.

Noch ein kurzer Rückblick auf das Klangfest: Was ist Ihnen im Gedächtnis geblieben?

Mein Eindruck war – wie auch schon im Vorjahr –, dass das ein besonders lebendiges Festival ist, durch die Vielfalt des Angebots und die Möglichkeit, ganz verschiedene Sachen besuchen zu können. Vom Jazz bis zum Kinderkonzert. Leider war der Open-Air-Teil in diesem Jahr etwas verregnet, trotzdem haben die Les Babacools richtig tolle Stimmung gemacht. Ich erlebe dort eine enorm große Spannweite, von der Klassik bis zum Hiphop. Eine solche Vielfalt bekommt man sonst nicht zu sehen.

Im vergangenen Jahr ist das Klangfest beim ersten Mal gleich mit 10000 Besuchern gestartet, in diesem Jahr wurde das in etwa wiederholt. Könnte die Veranstaltung überhaupt noch mehr Besucher aufnehmen? Die Kapazitäten der Räume sind begrenzt, und schon jetzt sind die Schlangen vor den Sälen sehr lang.

Ich fände es gut, wenn man in dieser Dimension, also 10000 bis 12000 Besucher bleibt. Es muss ja auch beherrschbar bleiben. Und es darf nicht sein, dass das Publikum ärgerlich wird, weil es nicht mehr in die Konzerte reinkommt. Ich rechne damit, dass es sich auf diesem Besucher-Level einpendeln wird, denn es findet ja am Pfingstsamstag statt, wenn halb München in den Ferien ist. Und Festivals werden nicht unbedingt besser, wenn sie immer weiter quantitativ wachsen.

Diese Festivals sollen den Menschen vor Augen führen: Das gibt es alles in eurer unmittelbaren Umgebung. Kommt die Botschaft an?

Ich denke ja. Unser Ziel war es, zu zeigen, dass München neben den großen klassischen Orchestern eine noch ganz andere Bandbreite an Musik hat, die vielen nicht bekannt ist. Wir haben etwa 70 Labels in der Stadt, die sind auch unter innovativen Gesichtspunkten ganz weit vorne. Das weiß man in England oder Japan, aber regional noch nicht so sehr. Hier unseren Münchner Blick zu schärfen, das ist ein Sinn des Klangfestes. Und wir wollen auch den Machern zeigen, dass wir sie als einen Teil der Kultur dieser Stadt begreifen.

Im Supermarkt gibt es den Trend zu regionalen Produkten bereits, in der Kultur ließe sich noch einiges entdecken.

Das sehe ich auch so. Vieles wird unter den Teppich gekehrt oder einfach nicht gesehen. Deshalb wollen wir ganz deutlich herausstellen: Hier in der Region kann man Interessantes entwickeln und entdecken – gerade auch im Musikbereich.

Im Kulturvollzug erschien zu dem Thema bereits ein Interview mit Klangfest-Chefin Petra Deka sowie eine ausführliche Klangfest-Berichterstattung.

Der Theatron Musik Sommer bietet heuer bei freiem Eintritt im Olympiapark 69 Konzerte und 21 Kurzfilme. Das erste Konzert am Abend beginnt um 19 Uhr, das zweite um 20.30 Uhr; Klassikabende beginnen um 19 Uhr. Filmabende jeweils samstags ab 22 Uhr, im Anschluss an die Konzerte. Zwei große Feuerwerkabende sind am 4. und 11. August, jeweils ab zirka 22 Uhr.

Weitere Infos und Programm unter http://www.theatron.de/

Veröffentlicht am: 29.07.2011

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