Hypnotische Giesinger Nacht: Attwenger dengeln sich zum austriakischen Rock'n'Roll im vollen Puerto

von Michael Grill

[caption id="attachment_1131" align="alignright" width="225" caption="Voodoomäßig und manchmal atonal: Attwenger (hier bei einem anderen Auftritt). Foto: Newald / Trikont"]Voodoomäßig und manchmal atonal: Attwenger (hier bei einem anderen Auftritt). Foto: Newald / Trikont[/caption]

Menschenschlangen vor und Gedränge im ehemaligen Kaufhaus: Im Puerto Giesing, wo sich ja mittlerweile die Stars des Münchner Independent-Labels Trikont die Klinke in die Hand geben, spielten Attwenger ein schönes und und relaxtes Konzert. Die Pioniere der avantgardistischen, also mit Rap, Punk und Techno angereicherten Volksmusik begannen erst um 22.30 Uhr, anderthalb Stunden nach angekündigter Zeit. Die Giesinger Nacht sollte mit DJs und Party ja noch lange dauern.

Die von ihnen vor 20 Jahren erfundene Reduktion aufs rockende Duo ist gerade groß in Mode – siehe „Elektrik Kezy Mezy“ und andere. Attwenger rocken aber nicht, sie spielen nur neuerdings austriakische, also elegant-verschlumpfte Rock'n'Roll-Schemata, was hier offenkundig ein Vorgeschmack auf ihr für April geplantes neues Album war. Unterstützt von dezenten Bass-Einspielungen von der Festplatte jodelte die Steirische und knatterte das Schlagzeug.

[caption id="attachment_1132" align="alignleft" width="223" caption="Diese beiden Herren erfanden die Reduktion aufs rockende Duo - zumindest in Mitteleuropa. Foto: P. Kranzler / Trikont"]Diese beiden Herren erfanden die Reduktion aufs rockende Duo - zumindest in Mitteleuropa. Foto: P. Kranzler / Trikont[/caption]

Sind die nun gut oder doch nur eigen? Auf den hypnotischen Sound dieser quengelnden Quetschkommode mit Maultrommel und Tanzbeat, der Geist und Gedanken dehnt, voodoomäßig und manchmal atonoal ist, muss man sich jedenfalls einlassen, sonst wirkt er nicht. Minutenlang halten sie einen mit ihrem Gedengel in der Schwebe, damit die sparsam gesetzten Druckmomente umso stärker wirken können. Was sie nicht immer, aber meistens tun. Gegen Ende zogen Attwenger mit „Kaklakariada“ und „Summa“ das Tempo an, die vorderen Reihen tanzten den Alpen-Pogo.

Bei der anschließenden Party missbrauchte der musikalisch ausgezeichnete DJ Cpt. Davidopoulos das Mikro für Parolen gegen den geplanten zweiten Münchner S-Bahntunnel. Wenn sonst so kluge Leute die anarchistische Haltung der Kunst für Kampagnen benutzen, ist das besonders schade.

Veröffentlicht am: 02.10.2010

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