Kurz aufgejault: B.B. King mit schlechten Ausreden auf dem Tollwood

von Michael Grill

"I could go on and on." Wirklich? B.B. King (hier bei einem anderen Auftritt). Foto: Tollwood

Die Kirche war geschmückt fürs Hochamt: Ein knallvolles Tollwood-Zelt, eine exzellente Bluesrock-Lady namens Ana Popovic im Vorprogramm – alles war bereit für B.B. King, einen der letzten ganz großen Helden aus jener Zeit, in der Jazz, Blues und Rock entstanden. Zehn Minuten spielt sich seine Band warm, dann kommt der Meister im weiten Hemd, nimmt Platz auf einem Stühlchen, das er fortan nicht mehr verlassen wird, lässt sich seine geliebte Lucille reichen. Das Zelt steht schon Kopf als die Gitarre, seine einzigartige Gitarre, das erste Mal kurz aufjault. Er sagt: „My name is B.B. King. And I'm 85 years old.“

Er ist herzig und rührend, wie er im Sitzen hin und her swingt, scherzt und schäkert. Trotzdem gibt er die Show großteils ab an seine Mitmusiker, die früher maximal zu den Zugaben ein wenig nach vorne durften. Nur einmal lässt er den Gitarrenton wirklich lange stehen, wie nur er es kann, es ist Lucilles klagender Schrei, Gänsehaut. Und wer schon mal eine Klampfe in der Hand hatte, das dürften nicht wenige im Publikum sein, fragt sich immer wieder: Was spielt der denn da nur? - So herrlich abseitig und ungewöhnlich ist manche Phrase.

Schon nach einer Viertelstunde kommt „The Thrill Is Gone“, der wahrscheinlich zentrale Song seines Musikerlebens. Direkt geht’s weiter mit „Rock Me Baby“. Die Band ist so perfekt, dass sie solche Wechsel nicht mal einzählen muss. Es ist: Definitiv die Ursuppe des Rock'n'Roll, das Blues-Manna von dem alle zehrten von den Stones bis zu Dylan.

Eine Frage wäre allerdings, was der Tontechniker dieses Abends im Hauptberuf gelernt hat, denn das Leadmikro (!) ist entweder zu leise oder es pfeift.

Nach einer guten Dreiviertelstunde spielt B.B. King die auch bei ihm nicht so richtig gut erträgliche Polonäse „When The Saints...“ Jetzt, so dachte man, geht’s allmählich in den Hauptteil der Show. Doch der König fragt uns, ob er irgendwann mal wieder kommen solle. Er genießt den großen Jubel als Antwort, verteilt händeweise Gitarrenplektren und Goldkettchen an die ersten Reihen – und geht. Die Ausrede „I could go on and on“, aber der „Zapfenstreich“ zwinge ihn zum Aufhören, glaubt man nicht – es ist nicht mal halb Zehn. Erst banges Staunen, ob's vielleicht doch nur ein Scherz ist, dann einige Buhs.

Es ist bewundernswert, dass eine Legende mit 85 überhaupt noch auf die Bühne geht. Und es ist schade, dass bei einem Eintrittspreis von fast 60 Euro letztlich doch der Eindruck von Kränklichkeit und Überforderung zurückbleibt.

 

Veröffentlicht am: 07.07.2011

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