Eddie fegt alles weg: Iron Maiden aus dem Jungbrunnen direkt in die Olympiahalle

von Michael Grill

Monsters of Rock, buchstäblich. Foto: IronMaiden.com Ltd

Iron Maiden sind tatsächlich wieder ganz oben: Die größte Halle der Stadt ist rappelvoll. Ein Meer aus schwarzen T-Shirts wogt vor dem, was vor 30 Jahren mal der „New Wave Of British Metal“ gewesen ist. Nach nur zehn Minuten und drei Songs ist es schon wieder „Two Minutes To Midnight“, und eine Phalanx aus Gitarren steht vor 14000 euphorisch stampfenden Menschen: Da brennt nichts mehr an.

Besonders verblüffend: Die Band kann es nicht nur irgendwie noch – sondern es fühlt sich für den Zuhörer wirklich so an, als wäre man bei einem Konzert Mitte der 80er, als Iron Maiden mit ihrer Frühform des Metal-Horror-Theaters die Eltern erschreckten. Dazu kommt heute eine leichte Form des AC/DC-Effekts: Wer sich so treu bleibt, den mag irgendwann einfach jeder.

Sänger Bruce Dickinson ist ausgezeichnet bei Stimme und scheint auch sonst in einen Jungbrunnen gefallen zu sein. Er jammert zwar ein bisschen vor „Coming Home“, wie stressig doch so eine Weltournee sei. Doch dann drückt er uns zu „Bloodbrothers“ sehr überzeugend an sein großes Metal-Herz: „Wir sind EUERE Band.“

Alle anderen auf der Bühne sehen äußerlich mittlerweile so alt aus, wie sie ja auch tatsächlich sind. Doch sie tollen auf der Bühne herum wie junge Hunde, für insgesamt zwei Stunden und 17 Songs: Die tun was für ihr Geld, aber es ist auch spürbar Spaß und Überzeugung dabei.

Das unermüdliche Gewusel und Gefummel und Gekniedel an den drei Gitarren, die absurden Posen und das unermüdliche Grimassieren: Das ist alles Kulisse, alles Theater, und deshalb werden Iron Maiden gerne musikalisch unterschätzt. Aber es ist trotzdem nicht nur Oberfläche und kein Kitsch, sondern höchstens Quatsch. Heavy Rock in seinem ganzen puren, pubertären Irrsinn: Yeah Mann, hau rein! Wir tanzen den „Dance Of Death“. Dass die Monitorboxen, die dabei auf der Bühne herumstehen, heutzutage technisch überflüssig sind, ist völlig egal: Auf was soll man sonst herumreiten?

Lediglich zwei Mal gibt es ganz kurze Ansätze von Balladeskem. Da muss man dann durch, und es ist schnell vorbei. Eddie fegt sowas hinweg, das Monster-Maskottchen der Band, das schon immer, aber nicht immer erfolgreich auf dem schmalen Grat zwischen lächerlich und kultig balanciert – diesmal als Gitarren-Zombie und als hinter der Bühne auftauchende Riesen-Krake. Die Zugaben: „The Number Of The Beast“, „Hallowed Be Thy Name“, „Running Free“. Wer danach nicht Luftgitarre spielt, der ist nie jung gewesen.

 

 

Über die Arbeitsbedingungen für Fotojournalisten bei Konzerten von Iron Maiden gibt es eine harte Auseinandersetzung mit Zensurvorwürfen. Der Kulturvollzug empfiehlt zur Information die Stellungnahme des Deutschen Journalisten Verbandes.

 

Veröffentlicht am: 02.06.2011

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