Guter Stoff vom Hans Dampf in allen Gassen: Söllner rockt sehr entspannt das Tollwood-Zelt

von Michael Grill

Hans Söllner spielte live auf dem Tollwood-Festival (hier bei einem anderen Konzert seiner Tour). Foto: Tollwood

Draußen ging die Welt unter im sommerlichen Platzregen, drinnen im mit 5000 Menschen prallvollen Tollwood-Zelt groovte der Söllner Hans in Hochform. Der Rastaman aus Reichenhall mit seinem siebenköpfigen Bayaman'Sissdem ist ja generell ein entspannter Entertainer, sofern er sich nicht über Polizisten, Staatsanwälte und Politiker aufregen muss. Aber so relaxt und fröhlich wie bei diesem Konzert hat man selten jemand auf der Bühne gesehen – und das erstaunlich bunt gemischte Publikum ging von der ersten Minute an begeistert mit.

 

Kurz nach Acht schob Söllner lächelnd seine Aufsässigen-Hymne „Hey Staat“ und seinen Evergreen „Marihuanabam“ von der Rampe, bei denen inzwischen wahrscheinlich selbst der Verfassungsschutz mitschunkelt (ganz hinten rechts im Auditorium begannen auch prompt zwei auffällig unauffällige Herren mittleren Alters mit dem Filmen des Konzerts). Dann gab's jede Menge Geschichten zum Grinsen, eine Art Lebensberatung fürs gepflegt-proletarische Kiffer-Millieu. Allerdings muss man bei Söllner im Baierischen schon sehr firm sein, wenn man wirklich alles verstehen will.

Söllner schlug vor, alle sollten sich nach dem Konzert mal in eine Polizeistreife reinsetzen oder die Landratsämter besetzen: „Hey, lasst euch die Türen öffnen, setzt's euch einfach mal nei.“ Und am schönsten wäre es, wir schmissen auch gleich noch die Führerscheine und Handys weg.

Hey Staat? - Zwei auffällig unauffällige Herren ganz hinten rechts im Auditorium filmen den Auftritt. Foto: Michael Grill

Grenzwertig war dagegen seine Mutmaßung, bei jedem Schul-Amoklauf sei ein Mathelehrer unter den Opfern, was auch etwas über „den Scheissdreck“ aussage – aber Söllners Texte waren ja noch nie ein Ponyhof. Dämlich war der Running Gag über OB Christian Ude, der schon 30 Millionen für Olympia 2018 bezahlt habe, obwohl es hungernde Kinder in München gibt. Genauso gut könnte man fragen, warum man Geld für ein Söllner-Konzert bezahlt, obwohl es hungernde Kinder in München gibt.

 

Doch das waren Ausreißer an einem insgesamt wunderbaren Gute-Laune-Abend. Gegen Ende sangen alle mit der „Edeltraut“ von weiteren verbotenen Freuden. Nach einer Zugabe war um 22.05 Uhr Schluss, „weil mir sonst der Strom abgedreht wird“, wie Söllner seufzte. Man hätte ihn gerne noch viel länger gehört.

Veröffentlicht am: 18.07.2010

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