Archiv

Bühnen

Anna Winde-Hertling ist "Kassettenmädchen" im Pathos TransportAuf der Suche nach der verlorenen analogen Zeit

von Michael Wüst am 26.09.2014

Im fluffigen Chaos eines Puffy-Teenie-Zimmers mit annähernd 99 Luftballons, 1000 Kassetten, gegen unendlich gehenden Haargummis, gebeamter Orange-Couch, nebst leergetrunkenen Augustinerkästen, spielt, tanzt, hadert mit fettem Arsch, saugt Staub, findet sich kurz sexy, dann wieder nicht, hat Liebeskummer und trinkt Wodka bei einem Strippoker mit einer Alfpuppe: „Das Kassettenmädchen“. Anna Winde-Hertling hechelt sich im Pathos Transport an der Dachauer Straße in einem Solo durch musikalische Sozialisationen von der Pubertät bis zur Weltreise der Ratlosigkeit.     » weiterlesen


Olga Grjasnowas Roman "Die juristische Unschärfe einer Ehe"Postmodernes Couple on the run

von Katrin Kaiser am 12.09.2014

In ihrem zweiten Roman beschreibt die junge deutsch-aserbaidschanische Autorin Olga Grjasnowa innere Distanzierung und emotionale Machtdemonstration als Überlebensstrategien einer entwurzelten Generation.     » weiterlesen


"Kaspar Hauser" mit der Kammeroper im HubertussaalEin gefundenes Märchen für die Gesellschaft

von kulturvollzug am 03.09.2014

Ein Protagonist, der kaum spricht und sich mit dem Gehen schwer tut – ein gewagter Stoff für eine Oper. Viel hängt in so einem Fall von der Qualität der Inszenierung ab. Mit Einfallsreichtum und Eleganz meistern Regisseur Dominik Wilgenbus und Arrangeur Alexander Krampe diese Herausforderung in der Oper „Kaspar Hauser“. Die jungen Solisten und das Orchester der Münchner Kammeroper überzeugen mit ausdrucksstarkem Gesang und präzisem Spiel.     » weiterlesen


Blumfeld mit "20 Jahre L'Etat Et Moi" in der TheaterfabrikAbgefahren bis zur Wiederholbarkeit

von Michael Grill am 01.09.2014

Das kann ja eigentlich nur schiefgehen: Eine der komplexesten und intellektuellsten deutschen Bands ruft sieben Jahre nach ihrer gutbegründeten Auflösung zur Jubiläumstour ihres vor 20 Jahren erschienenen Frühwerks. Im besten Falle wird das nostalgisch, im schlimmsten eine Abzocke. Blumfeld 2014 auf Tour mit „L'Etat Et Moi“, versehen mit dem Spießerprädikat „Originalbesetzung“ - eine Peinlichkeit mit Ankündigung, Reenactment der damals sogenannten Hamburger Schule? Es kam ein bisschen so, aber im Grunde kam es doch ganz anders.     » weiterlesen


Mit Jamaram im StudioAfrikatage im Groovegarten Eden

von Isabel Winklbauer am 26.08.2014

Ihre größten Erfolge feierte die Band Jamaram mit einem Mix aus Reggae, Rock und Latin-Rhythmen - seit zwei Jahren erkundet die Band allerdings Afrika. Jetzt schließen die Musiker ihre Kooperation mit zimbabwischen Künstlern mit der Produktion einer CD ab. Ein Besuch in einem ganz besonderen Zoo, sozusagen.     » weiterlesen


Sigi Zimmerschied mit „Multiple Lois“ im Theater FraunhoferPoesie vor die Säue

von Michael Wüst am 25.08.2014

Erst schaut nur der Kopf herein, von rechts auf die Bühne. Dann folgt leicht skeptisch der Körper und dreht dem Publikum erst einmal den Rücken zu. Inspektion! Besonders in den Ecken, wo sich der Dreck versteckt, die toten Fliegen. Der Tuberkel. Zimmerschied ist Lois, der Multiple, der Vervielfältigte, der diesen Raum, die Bühne im Fraunhofer, vermietet. Er, der sich und seine Figuren seit 40 Jahren erfindet, kennt diesen Raum und den Dreck in unseren Köpfen. Die Bühne ist das Bewusstsein des Publikums.     » weiterlesen


Stephanie Lottermoser beim Munich Jazz Summer in der UnterfahrtSie hat die Siebenmeilenstiefel an

von Michael Wüst am 17.08.2014

Mit ihrem Hit „Step Ahead“ von der aktuellen CD „Good Soul“ hatte sie bereits letztes Jahr einen großen Schritt nach vorn gemacht. Nun erleben wir Stephanie Lottermoser mit Band in leicht variierter Besetzung an fünf ausverkauften Tagen in der Unterfahrt mit musikalischen Riesenschritten. Und nach der letzten Vorstellung ist sie schon auf dem Sprung ins Studio zur nächsten Produktion. Bekräftigt dies unter anderem mit ihrer Version von „These Boots Are Made For Walking“.     » weiterlesen


"Die letzten Tage der Menschheit" von Karl Kraus im Café RingelnatzVon Fleischfliegen und Hauptdefaitisten

von Michael Wüst am 03.08.2014

Auf letzte Tage der Menschheit zu setzen, ist nie verkehrt, zumal in diesem Jahr, 100 Jahre nach dem Beginn des ersten Weltkriegs, das allein schon aus Gründen der Feierlichkeit. Aber Karl Kraus´ monumentales, nach eigener Aussage unspielbares Stück „Die letzten Tage der Menschheit“, ist viel mehr als eine wohlfeil passende Pazifismusgeste in diesen Tagen, da sich das Unbehagen in der Kultur wiederum in den quälend gleichen Emanationen der Stupidität Bahn bricht, entblödet. Es ist vor allem und zunächst der heroische Kampf des Sprachpuristen, des Publizisten gegen die Lügen der Journaille, gegen den Krieg der Worte. Jo Vossenkuhl und seine Vorleser Sabine und Christof Wackernagel und Henk Flemming wurden mit einem Bruchstück aus fünf  Akten, in denen Kraus fünf Kriegsjahren folgte, dem Monument gerecht. Eine immer noch fast zweistündige Lesung, im Schwabinger Café Ringelnatz.     » weiterlesen


Zum Filmstart von "Step Up All In"Ein bisschen viel Zirkus um Breakdance

von Isabel Winklbauer am 24.07.2014

Es ist schwer zu erklären, warum Tanzfilme wie „Step Up“ erfolgreich sind. Von Teil eins bis fünfundzwanzig spielen sie dem Zuschauer mehr oder weniger dieselbe Handlung vor, die Charaktere werden nicht erwachsen und auch die tänzerischen Stilrichtungen ändern sich wenig. Offenbar ist der Tanz selbst Grund genug für einen Film – so wie im Klassiker "Die roten Schuhe". Nicht nur das Hauptthema, auch dessen Artisten-Aura übernimmt sein jüngster Nachfahre, "Step Up – All In".     » weiterlesen


"L'Orfeo" bei den OpernfestspielenDes Hippies edler Heimgang in die Unterwelt

von Volker Boser am 21.07.2014

Eine Sekunde nicht aufgepasst, und schon ist es passiert. Da hilft auch kein noch so schöner Singsang. Pluto bleibt hart. Orpheus muss ohne seine geliebte Euridice aus der Unterwelt zurück ins Freie. Dorthin, wo die Welt anfangs noch heil war, wo eine ausgelassene Flower-Power-Gesellschaft sich einen VW-Bus gemietet hatte, um gemeinsam in schöner Landschaft die Vermählung der beiden zu  feiern. Im Prinzregententheater wuchsen die Blumen buchstäblich in den Himmel.     » weiterlesen


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