Konstanze-Vernon-Preis für Jonah Cook

Die Heinz-Bosl-Stiftung wird internationaler

von Isabel Winklbauer

Preisträger Jonah Cook (2. v. l.) mit den Juroren Ivan Liska, Birgit Keil und Gigi Hyatt (v. l. n. r.) Foto: Charles Tandy

Jonah Cook, Solist des Bayerischen Staatsballetts, ist mit dem zweiten Konstanze-Vernon-Preis der Heinz-Bosl-Stiftung ausgezeichnet worden. Gleichzeitig verkündet die Stiftung Neuigkeiten: Die Junior Company des Staatsballetts, geleitet von Liska, emanzipiert sich künftig als selbständige Kompanie unter dem Namen Bayerisches Jugendballett.

Der Konstanze-Vernon-Preis aus dem Nachlass der Namensgeberin wird mit 10.000 Euro dotiert. Vor zwei Jahren hieß die Preisträgerin Ivy Amista – gefördert durch die Heinz-Bosl-Stiftung kam die Brasilianerin über die Münchner Ballettakademie ans Staatsballett und tanzte sich dort in den Rang einer Ersten Solistin nach oben. Diesmal suchte die Jury, bestehend aus den Ballerinen Gigi Hyatt, Birgit Keil und Judith Turos sowie den Herren Ivan Liska und Ballettdirektor Igor Zelensky, nicht in den Reihen der Münchner Ausbildungsstätte. Mitnominiert waren die erste Solistin Ksenia Ryzhkova, die 2016 mit Zelensky von Moskau nach München kam, und der Hamburger Solist Jacopo Bellussi, der seine Ausbildung an der Mailänder Scala erhielt. Die künftige Arbeit der Stiftung ist also durchaus international ausgerichtet und rührt nicht nur im eigenen Münchner Kochtopf.

Jonah Cook als Crassus in "Spartacus". Foto: Wilfried Hösl

Gewinner Jonah Cook entsammt dem Londonder Royal Ballet. Er kam 2011 nach München und fiel seither auf, ob er wollte oder nicht. Schon seine Erscheinung zeichnete ihn aus, als er in Maliphants "Spiral Pass" tanzte, als Goldenes Idol in "La Bayadere" brillierte oder spontan als Lenski in der "Kameliendame" einsprang. Spätestens seit er in "Spartacus" den Crassus gab und kurz darauf als Romeo debütierte, wissen die Zuschauer jedoch, dass bei ihm gutes Aussehen und gute Technik mit Emotion einhergehen, womit er dem ultracoolen Sergej Polunin theoretisch einen Schritt voraus ist. "Er hat sich die Seele aus dem Körper getanzt", erinnerte Ex-Oberbürgermeister Christian Ude in seiner Laudatio an Cooks Auftritt in Pina Bauschs "Für die Kinder von gestern heute und morgen". Cook hat noch einiges in petto, dessen kann man gewiss sein.

Das andere Thema des Abends war die Loslösung der Junior Company vom Bayerischen Staatsballett. Es ist Irène Lejuene, die ehemalige Großsponsorin der staatlichen Kompanie, die die Truppe aus Exzellenz-Studierenden der Ballettakademie und Volontären des Staatsballetts stärkt: Von Zelenskys Rüpelmanieren verärgert, entzog sie vergangenes Jahr dem Staatsballett die finanzielle Unterstützung – und investiert nun kräftig in den Nachwuchs der Bosl-Stiftung (die übrigens nicht mit der Ballett-Akademie gleichgesetzt werden darf, aber eng mit ihr verzahnt ist). "Bayerisches Jugendballett" soll die junge Kompanie künftig heißen, für die unter anderem schon Richard Siegal und Roberth North choreografierten. Ob sich die finanzielle und nominelle Emanzipation, die Liska verkündete, auf die Zusammensetzung der Truppe und ihre Auftrittsmöglichkeiten auswirkt, wird sich zeigen. Mit dem "Triadischen Ballett" feierte die Junior Company zuletzt alleine einen rauschenden internationalen Erfolg. Gelegenheiten wie das jüngste Hongkong-Gastspiel des Staatsballetts, zu dem die jungen Talente mitdurften, sind aber ebenfalls unverzichtbar.

Cook mit Ksenia Ryzhkova in "Romeo und Julia". Foto: Wilfried Hösl

Aber natürlich kam auch die göttliche Kunst nicht zu kurz, um die sich alles dreht. Die Damen Margarida Neto, Eloise Sacilotto und Michela Zanzottera zeigten gemeinsam mit den Herren Francesco Leone, Justin Rimke und Christoph Schaller zunächst Richard Siegals "Drei Preludes" von George Gershwin – ein quicklebendiges, verführerisches Stück. In Nacho Duatos "Jardi Tancat" dagegen tauchten die jungen Tänzer tief in die spanische Folklore ein. Mit viel Verve, aber modernisieren konnten sie den Achziger-Jahre-Ethno-Schinken auf diese Weise ebenauch nicht. Ein gesundes Repertoire aus Klassikern und Avantgarde, entstaubt vom allzu nahen Gestern, sollte vielleicht die erste Investition der neuen Kompanie sein.

Und noch jemand tanzte an diesem Abend. Konstanze Vernongab auf Christian Udes Ferienhausterrasse nach mehreren Flaschen griechischen Weins eine Sondervorstellung des "Sterbenden Schwans". So lebendig erzählte Ude von dem Abend vor vielen Jahren, eine seiner schönsten Erinnerungen, dass die Zuschauer die Grande Dame des Bayerischen Staatsballetts tatsächlich vor sich zu sehen vermeinten. In Wahrheit blieb sie freilich bescheiden auf ihrer Wolke und lächelte. Cook und das selbständige Jugendballett hätten ihr gefallen.

Veröffentlicht am: 20.03.2017

Über den Autor

Isabel Winklbauer

Redakteurin

Isabel Winklbauer ist seit 2011 Mitarbeiterin des Kulturvollzug.

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Maren Rose
21.03.2017 14:28 Uhr

Liebe Frau Winklbauer, vielen Dank für Ihren ausführlichen Artikel u.a. zur Umbenennung des „Bayerischen Jugendballetts“. Deutlicher wird die Zuordnung der einzelnen beteiligten Institutionen vielleicht noch durch den Hinweis, dass die Ballett-Akademie Teil der Hochschule für Musik und Theater München (HMTM) ist. Die Exzellenz-Studierenden, die neben den Volontären des Staatsballetts den anderen Teil des „Bayerischen Jugendballetts“ bilden, sind Studierende der HMTM. Mit herzlichen Grüßen, Maren Rose (Leitung Kommunikation der HMTM)

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