Radikal international - Zum Programm des „Radikal jung“ Festivals 2011

von kulturvollzug

War da was von verflixtem siebten Jahr? In der siebten Auflage seines Festivals „Radikal jung“ startet das Münchner Volkstheater zu neuen Ufern – mit einem Programm, das richtig Appetit macht auf den Theaterfrühling. Mit zwei spannenden alten Bekannten und ausländischen Produktionen, unter anderem aus London.

Was hatte ich gleich nochmal in der Woche zwischen 9. und 16. April vor? Egal, jeder Abend – außer Mittwoch, da macht das Programm eine Pause – ist für „Radikal jung“ reserviert. Zur Eröffnung am Samstag macht Antú Romero Nunes mit dem Schauspiel Frankfurt und Ibsens „Peer Gynt“ Station in München. Im vergangenen Jahr verzauberte Nunes das Publikum mit seinem „Geisterseher“ nach Schiller – eine Empfehlung also schon zum Auftakt der Neuauflage 2011.

Auch Bastian Kraft, Publikumspreisträger im vergangen Jahr, gibt sich wieder bei "Radikal jung" die Ehre. Im vergangenen Jahr überzeugte er mit Kafkas „Amerika“, das ein absolut überzeugender Philipp Hochmair bestürzend mit Leben erfüllte. Und auch diesmal bringt Kraft Personal aus der Wiener Burg mit – für „Dorian Gray“ von Oscar Wilde. Da Kraft im Juni ein noch unbekanntes Stück am Volkstheater uraufführen wird die Chance, schon mal zu schauen, was da auf uns zukommt.

Man könnte auch sagen, im Jahr 2011 erfindet sich „Radikal jung“ radikal neu – vier fünf ausländische Produktionen sind in diesem Jahr eingeladen. Es sei nicht jedes Jahr leicht, genügend aufregende junge Regisseure in Deutschland zu finden, sagte Chefdramaturg Kilian Engels bereits im vergangenen Jahr. Also machen die Münchner aus der Not eine Tugend und öffnen die Landeshauptstadt der internationalen Szene.

Heike M. Goetze bringt eine Produktion aus dem Schauspielhaus Zürich nach München: „Stiller“ von Max Frisch, aus Belgien kommt Fabrice Murgia mit dem Théatre National Brüssel und „Life/Reset“.

Den weitesten Weg ins Volkstheater hat in diesem Jahr zweifelsfrei Caroline Steinbeis. Ihre Produktion „Fatherland“ läuft normalerweise am Gate Theatre London. Geschrieben wurde das Stück vom Australier Tom Holloway. Das Thema klingt nur beim ersten Hinhören aktuell: Es geht um die allzu tiefe Liebe eines Vaters zu seiner Tochter.

Eine weitere Unbekannte in unserer Festival-Rechnung ist zunächst auch „Bog je Di Dzej“ vom Kleinen Theater „Dusko Radovic“ Belgrad mit Regisseur Milos Lolic. Der Autor Falk Richter und der deutsche Titel „Gott ist ein DJ“ - klingen da schon vertrauter.

Ergänzt wird das alles durch vier weitere deutsche Produktionen. Aus dem „Heimathafen Neukölln Berlin“ kommt „Arabqueen – oder das andere Leben“ nach einem Roman von Güner Balci in der Regie von Nicole Oder. Auch aus Berlin, genauer gesagt aus dem „Ballhaus Naunynstraße Berlin“ kommt Nurkan Erpulat mit seinem Stück „Verrücktes Blut“. Das Centraltheater Leipzig wiederum ist mit einem unter Nazis wie Kommunisten Verfemten vertreten: Robert Borgmann bringt Arnolt Bronnens „Vatermord“ nach München.

Und natürlich gibt es wie gewohnt auch wieder eine Eigenproduktion des Volkstheaters zu sehen. In diesem Jahr ist Mareike Mikat die Lokalmatadorin mit ihrer verrückten Pelewin-Sause „Das fünfte Imperium“.

Wie bringt man zehn Stücke innerhalb einer Woche auf die beiden Bühnen des Volkstheaters? Gar nicht. Zum ersten Mal seit 2007, als man mit David Bösch ins eigens aufgebaute Theaterzelt an der Glyptothek auswich, sucht sich das Volkstheater eine alternative Spielstätte. Das Théatre National Brüssel und das Schauspiel Zürich sind heuer in der Reithalle untergebracht.

Das "Radikal jung" Festival verspricht also einen heißen Auftakt zum Theaterfrühling 2011.

Jan Stöpel

Zum einstimmen hier schonmal der Trailer zu Fatherland:

Veröffentlicht am: 21.02.2011

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WilsonTia35
11.08.2011 11:47 Uhr

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