David Lynch in der Galerie Karl Pfefferle

Von Händen und Fabriken – Eine surreale Begegnung

von Olga Levina

There Is Nothing Here Please Go Away, 2012. Alle Fotos: © David Lynch, Courtesy the artist & Galerie Karl Pfefferle, Munich

In der Galerie Karl Pfefferle sind großformatige Materialbilder, Gemälde und Zeichnungen des US-amerikanischen Multi-Künstlers David Lynch zu sehen. "It Happened at Night" zeigt in schwere Goldrahmen gefasste szenografische Materialarbeiten, die durch interdisziplinäre Komponenten wie Räume oder Bühnen wirken. Durch ins Bild integrierte Wortfetzen und Sätze, wie „I burn pinecone...“, erzählen diese Werke Geschichten ohne Ausgang. Beunruhigende Handlungsstränge werden angedeutet – wohin sie führen, bleibt verborgen.

Shadow of a Twisted Hand Across My House, 1988

Proportion und Perspektive verlieren in Lynchs Fantasiewelt an Bedeutung. Dafür sind die Bedeutungsgrößen der einzelnen Bildinhalte für den Maler und Filmemacher umso wichtiger. Seine detailreichen Installationen fesseln den Betrachter, indem sie Bedrohliches mit Skurrilem verbinden. Es wird schnell klar, dass sie mehr verbergen als preisgeben.

 

 

Box of Bees, 1988-1990

Genauso geheimnisvoll muten Lynchs schwarz-weiße Aquarelle an. Reduzierte Kompositionen und lakonische Alltagssujets prägen diesen Teil der Ausstellung. Die ungewöhnliche Bildästhetik offenbart Alptraumwelten, die man von seinen früheren Bildern, Fotografien und Filmen kennt. Dunkle Gebäude, darunter Fabriken und überdimensional große Hände finden besondere Beachtung. Der Künstler vertraut auf den intuitiven Zugang des Betrachters zu seinen Werken. Die Farbe Schwarz ist laut Lynch "wie eine Pforte, man tritt ein und weil es dahinter immer noch dunkel ist, setzt die Fantasie ein. Man sieht das, wovor man Angst hat. Und das, was man liebt, wie in einem Traum."

 

I Burn Pinecone, 2009

Auffällig ist die häufige Verwendung von Montageverfahren, die an den Filmschnitt erinnern. Kennzeichnend für Lynchs Werk und auch diese Ausstellung ist die surrealistische Verbindung von Heterogenem. Er schafft kausale Verhältnisse aus zufälligem Nebeneinander. Der Betrachter muss die auf den ersten Blick nicht zusammenhängenden Elemente nur noch kombinieren.

 

 

Factory Building, 2012

Der in der Ausstellung zusätzlich gezeigte Experimentalfilm ist durchsetzt mit bizarren Einschüben von Kriegslärm. Auch er erscheint dem Betrachter wie ein Rätsel. Der "Memory Film" ist ein vier Minuten langer Loop – geschaffen anlässlich des Memory Marathons. Der diesjährige Marathon künstlerischer Ideen fand im Oktober in der Londoner Serpentine Gallery statt. Der dafür gedrehte Loop wirkt wie eine surreale Fantasie oder Traumsequenz in deren Mittelpunkt der Maler Van Gogh steht. Stück für Stück wird sein Selbstbildnis von Lynch zu einem Ganzen zusammengefügt.

 

Crying Man, 2012

Seit den späten 60er Jahren begleitet die Malerei seine Filme: „Die Malerei kann wahre Aussagen über alle Aspekte des Lebens machen... Das gleiche gilt für Musik. Es gibt Dinge, die sich mit Worten nicht ausdrücken lassen. Darum geht es in der Malerei und beim Filmemachen... Die Malerei zieht sich durch alles andere hindurch“, so Lynch in "Dark Splendor – David der Maler" von Werner Spies. Diese Ausstellung zeigt, wie solche Aussagen verfremdet und verwoben werden können.

 

Die David-Lynch-Ausstellung "It Happened at Night – Recent paintings and drawings" ist bis zum 22. Dezember 2012 in der Galerie Karl Pfefferle, Reichenbachstraße 47, 80469 München, Telefon 089 / 297969, zu sehen.

 

Veröffentlicht am: 09.12.2012

Über den Autor

Olga Levina

Redakteurin

Olga Levina ist seit 2012 beim Kulturvollzug.

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