"Death and Disaster" bei Daniel Blau

Kriegsreporter als Künstler und Moralisten in der Katastrophe

von Achim Manthey

"Nicht fragen-helfen!", August 1943 (c) Daniel Blau Catalogues

Die Wechselausstellung "Death and Disaster - Tod und Teufel" in München zeigt Fotografien aus der Zeit vor und im 2. Weltkrieg. Sie sind historisches Gedächtnis und Mahnung.

Bücher brennen im Berlin des Jahres 1933. Goehring erläutert "dem Führer" und seinen Kumpanen die Pläne für Luftangriffe auf Polen. Hitler kollabiert fast bei seiner Rede im Münchner Hofbräukeller 1942. Immer war die internationale Presse dabei. Keystone Press, Atlantic Pressebilderdienst oder Agence France Press hatten ihre Reporter und Fotografen vor Ort, die das jeweilige Geschehen minutiös in Text und Bild festhielten.

Reporter, Bildberichterstatter zumal, sind Zeitzeugen, die den Moment festhalten und doch in dem Augenblick, wenn der Auslöser der Kamera betätigt ist, Vergangenheit im Kasten haben. Aber sie lassen den Betrachter teilnehmen an einem Geschehen, das ihm sonst nicht zugänglich wäre. Das gilt selbst heute, in Zeiten einer maßlosen Überschwemmung mit Bildern, die täglich, stündlich, minütlich über uns kommen.

"Berlin", 1945 (c) Daniel Blau Catalogues

Für den von der Ausstellung umfassten Zeitraum von 1933 bis 1945 ergibt sich jedoch noch ein anderer Aspekt: Die Unterrichtung der Bevölkerung durch die Zeitung. Mit den Fotografien wurde ein Stück Wirklichkeit transportiert, dem die Menschen - häufig zu Unrecht - vertrauten und glaubten. Auch der heutige Betrachter kann fast hautnah dabei sein, wenn der Reichstag in Berlin gestürmt wird (Ivan Shagin, 1945) oder schließlich ausgebombt ist (Jay Eyerman, 1945). Auch "im Feld" ist man dabei mit den Aufnahmen des Atlantic Pressebilderdienstes ("Flak auf Wacht im Schein des Nordlichts", 1943) oder der offiziellen britischen Militärfotografen ("Flugzeug in Sicht", 1940). "Embedded" war da niemand. Die Fotografen waren dabei, mittendrin. Es war ihr Job und ihr Risiko. Tod und Teufel.

Neben dem künstlerischen Aspekt, der oft lediglich auf der alten, analogen Aufnahmetechnik gründet, enthalten die Fotografien eine große moralische Bedeutung. Bilder wie die von gefallenen deutschen Soldaten in der Bastogne (AFP 1945), die Luftaufnahmen der US-Armee von Luftangriffen auf Monheim oder von R.R. Swark vom zerstörten Berlin 1945 sind bis heute Warnung und Mahnung. Dazu zählen auch die grandiosen Bilder der berühmten Kriegreporterin Margret Bourke-White, die 1945 in München und Nürnberg entstanden.

Daniel Blau hat über die Jahre eine Vierlzahl von Fotos aus dieser Zeit zusammengetragen. "Für mich ist es interessant, anhand der Photographien in dieser Ausstellung die Vergangenheit zu interpretieren, mit meinen eigenen Erfahrungen und Gelerntem abzugleichen", schreibt er in einem Text zur Ausstellung.

Es ist eine wichtige Schau, auch wenn man dergleichen oft und lang gesehen hat. Bis zum Ende der Ausstellung werden die Motive gewechselt, ohne das Thema zu verlassen.

Bis zum 28. November 2012 in der Galerie Daniel Blau, Odeonsplatz 12 in München, Di-Fr 11-18 Uhr, Sa 11-16 Uhr, Eintritt frei.

Veröffentlicht am: 13.11.2012

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Michele Vitucci
13.11.2012 22:00 Uhr

Ich wundere mich, warum es bei Daniel Blau so viel Bilder der Zerstörung und des Todes gibt. Vor ein paar Jahren die Bilder der Atombomben-Abwürfe über Nagasaki und Hiroshima. Jetzt alte Pressebilder aus Bildagenturen. Wer kauft das? Mit welcher Motivation? Ist es die Aufgabe einer Galerie, Bilder zu verkaufen, die eigentlich public domain sein dürften?

Ich versuche keineswegs zu polemisieren. Ich will aber verstehen.

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