Sammlung Heck wird versteigert

Von Vögeln und anderen Tieren

von Angelika Irgens-Defregger

Franz-Xaver Jung-Isenheim, Vogelschwarm in Afrika. Prachtfinken und Witwen, Guache 1936 (Bild: Kunstauktionshaus Neumeister)

Das Kunstauktionshaus Neumeister versteigert die Sammlung des früheren Münchner Zoodirektors Heinz Heck.

Eine junge Antilope, ein ungarisches Steppenrind und wilde Pferde. Die Tiergruppe aus Porzellan mit der Modellnummer 680 aus dem Hause Nymphenburg zum Aufrufpreis von 140 Euro wäre nicht weiter erwähnenswert, stünde dahinter nicht die Geschichte einer Sammlung - und die eines echten Waldwildpferd-Hengstes, der als erster seiner Art im Münchner Tierpark Hellabrunn am 18. Juli 1958 geboren wurde.

Tatsächlich kann dieses pittoreske Tierensemble in der Wildbahn der imaginierten ganzen Welt von Hellabrunn noch heute beobachtet werden. Dank eines Mannes: Heinz Heck (1894 bis 1982), der die Idee zoologischer Gärten nachhaltig revolutioniert hat. Und gleichzeitig trat er als leidenschaftlicher Sammler von Kunstwerken auf, wie beispielsweise jene genaue Naturbeobachtung eines zum Flug ansetzenden Schwanes in der Bronze-Skulptur aus dem Atelier von Max Esser.

Auffliegender Schwan, Bronze planiniert, Atelier M.Esser 1930 (Bild: Kunstauktionshaus Neumeister)

Der gebürtige Berliner Heck prägte den Münchner Tierpark Hellabrunn wie kein anderer vor ihm. Er war ein Volksaufklärer par excellance, der dem Zoobesucher ein authentisches und wissenschaftlich korrektes Bild der Tierwelt zu vermitteln suchte. Seine Ära dauerte von der Wiedereröffnung Hellabrunns 1928 bis zum Jahre 1969. Er kreierte mit dem ersten "Geo-Zoo" eine weltweite Sensation: die geografische Gliederung des Tierparks nach Kontinenten, respektive den Herkunftsländern der Tiere. Gleichzeitig damit verbunden war die Zusammenführung von Tieren mit ähnlichen Lebensgewohnheiten und Bedürfnissen sowie die Haltung von wenigen Tierarten, aber in mehreren Exemplaren und Familienverbänden.

Schon von Kindesbeinen an war Heck untrennbar mit der Toerwelt verbunden. Bereits sein Vater, der Biologe und Geheimrat Ludwig Heck, leitete den Kölner Tierpark und danach den Zoologischen Garten Berlin. Mit seinem Bruder Lutz, von 1932 bis 1945 ebenfalls Zoodirektor in Berlin, versuchte er sich an der Rückzüchtung demestizierter Tiere.

Heinz Heck mit Fohlen (Foto: oh)

Um den Besuchern die Tiere noch näher zu bringen, gab Heinz Heck die in München im Eigenverlag erscheinende Monatszeitschrift "Das Tier und wir" heraus. Große Plakatkünstler wie Siegmund von Sucholdski, Franz-Xaver Jung-Isenheim oder Ludwig Hohlwein schufen für die damals - laut Eigenwerbung - "meistgelesene und billigste Tierzeitschrift Deutschlands" tierisch gute Titelentwürfe. Das Jahresabonnement kostene 4.24 Reichsmark im Postversand. Sie enthielt jeweils ein farbiges Umschlagbild, Titelfotos und Aufsätze "von solchen Leuten (...), die auch tatsächlich mit Tieren umgehen". Von Beginn ihres Erscheinens 1929 bis 1938 führte Heck in einem erhaltenen Verzeichnis akribisch Buch über die Künstler der Titelbilder mit genauer Angabe das Dargestellten.

Ein großer Teil dieser originalen Gouachen und Aquarelle sowie zahlreiche Skulpturen wurden nun im Münchner Kunstauktionshaus Neumeister versteigert. Damit wird wieder einmal eine leibevoll zusammen getragene und nicht unbedeutende Sammlung in alle Himmelsrichtungen zerstreut.

Liebe Leserinnen und Leser, bei der Produktion dieses Beitrags hat uns das Internet einen Streich gespielt, sodass Sie bislang nur ein Fragment lesen konnten. Wir bitten um Entschuldigung und haben den Beitrag nun am 17. Oktober 2012 um 20.26 Uhr  vervollständigt.

Veröffentlicht am: 17.10.2012

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