Videoinstallationen im Kunstverein

Ein Bild ist ein Bild ist eine Projektion – aber von was?

von Barbara Teichelmann

Eine Ikone, viele Bilder: Übergreifendes Thema der fünf Videoinstallationen im Kunstverein ist Pop-Diva Madonna, Foto: U. Gebert

Die New Yorker Performance- und Videokünstlerin Trisha Baga hinterfragt Einsatz und  Wirkung von Bildern. Das Ergebnis ist keine moraline Medienkritik, eher ein multimedialer Kommentar zum Zeitalter der massenhaften Bilderpro- und reproduktion.

 

Die Kuh stapft durch die Wiese. Oder ist das ein Pandabär? Auf jeden Fall handelt es sich um ein schwarz-weißes Menschenkostümtier aus einer älteren Performance der amerikanischen Künstlerin Trisha Baga. Diese Filmsequenz und außerdem noch jede Menge andere Bilder, wie Mitschnitte von Madonna-Konzerten, Bildschirmschonerspielereien aus dem All oder Skypegespräche, hat Baga für ihre Videoinstallation „Madonna y el Nino“ (2011) verwendet. Was dem Maler die Farben, das sind der Video- und Performancekünstlerin Bilder: Sie löst sie aus ihren ursprünglichen Zusammenhang, recycelt, kombiniert sie neu, schichtet sie über-, neben- und ineinander. Ihr Material findet sie größtenteils im Internet, und oft macht sie ihr Desktop zur Leinwand, auf dem sich ihre Arbeitsprozesse nachvollziehen lassen und in dessen Oberfläche sich die so genannte Realität, zum Beispiel auch die Künstlerin selbst, spiegelt. Es geht um Bildproduktion und –verwertung in den Medien. Es geht um Reflexion von Komplexität. Und das Ergebnis ist ein subjektiv-reflexives Netzwerk aus Bildern. In der Tat, das ist ziemlich komplex und abstrakt, aber nicht verkopft.

Bilder sind ihre Farben

Spiegelung wird zur Reflexion: Improvisation ist ein wichtiger Bestandteil von Trisha Bagas Arbeit, Foto: U. Gebert

"World Peace" – Bagas institutionelles Debüt in Deutschland – präsentiert fünf Videoinstallationen der 27-Jährigen, vier davon hat sie eigens für die Räumlichkeiten des Kunstvereins konzipiert. Thema der Ausstellung ist Madonna, also die künstlerische Auseinandersetzung mit Inhalt und Wirkung der Pop-Ikone: Auf dem Boden stehen Kisten in unterschiedlichen Größen und Formen, dazwischen liegen CDs, Kopfhörer, verzwirbelte Kabel, ein Beamer – eine kleine Medienlandschaft. Der filmische Teil der Videoinstallation „Burnig up“ (2012) wird an die Wand projiziert und erst nach einer Weile wird klar, dass all die Gegenstände, die so wahllos verstreut schienen, eine Funktion haben: Sie werfen Schatten auf die Leinwand, werden selbst zur Projektionsfläche, spiegeln das Gezeigte auf die Leinwand zurück und eröffnen so weitere Reflexionsebenen. Objekte werden zu Bildern ihrer selbst, und vielleicht auch umgekehrt. Grenzen werden aufgehoben, die gewohnte Hierarchie aus Vorder- und Hintergrund demontiert. Stattdessen findet die totale Parallelschaltung und Verqickung aller erdenklichen realen und fiktiven Ebenen statt.

Hierarchien werden aufgehoben

Bagas abstrakte Methode, sich einem Thema zu nähern, ist mindestens so wichtig und präsent wie das Thema selbst. Besonders deutlich wird dies in der Videoinstallation „Body of Evidence“, hier versperrt der überdimensionale Schatten einer kurvigen Wasserflasche die Sicht auf das, was eigentlich gezeigt werden soll, nämlich: Dass Madonna eine Projektion eines Bildes ihres Bildes ist. So wie die Wasserflasche auf der Leinwand. Aber um das zu zeigen, braucht es eben die Wasserflasche.

 

Die Ausstellung "Wold Peace" ist noch bis zum 17. Juni im Kunstverein München zu sehen.

 

 

 

Veröffentlicht am: 21.05.2012

Über den Autor

Barbara Teichelmann

Redakteurin

Barbara Teichelmann ist seit 2011 beim Kulturvollzug.

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G M Luyken
22.05.2012 08:11 Uhr

Danke für die erhellende Einführung in den Arbeits- und Darstellungsprozess der Künstlerin. Aus sich heraus hat sich mir das nicht erschlossen und wurde auch bei der Eröffnung nicht hinlänglich klar. Aber ihr erklärender Beitrag ist sauber und klar.

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