„Stilistisch ist alles möglich, finanziell nur noch wenig“

von kulturvollzug

Die letzten Tage des Dance Festivals 2010 stehen vor der Tür, elf Tage voller Tanz und Performance haben wir schon hinter uns. Zeit für einen kurzen Rückblick.

Furios hat die Tanz-Ikone Louise Lecavalier mit bester 80er-Jahre-Vitalität das DANCE-Festival 2010 eröffnet. Der harte Absturz in die Tanz-Gegenwart folgte mit Richard Siegals „CoPiraten“-Party gleich darauf. Tanz hat's schwer heute, stilistisch ist alles möglich, finanziell nur noch wenig. Das zeigen die von Kuratorin Bettina Wagner-Bergelt unter dem Motto „Time Codes“ zusammengeholten Produktionen deutlich.

Nur Geldnot kann erklären, dass Jessica Iwansons Münchner Tanzschüler zwei Abende mit Selbstdarstellung füllten - bei allem Respekt vor Iwansons Verdiensten hat das auf einem internationalen Forum nichts verloren. Auch die stärkere Einbindung Münchner Choreografen hat pekuniäre Gründe. Stefan Dreher zeigte in der Pinakothek der Moderne ein belangloses Kurzvorspiel zu seinem Projekt „Der Dorn“ : Tänzer formieren sich mit Riesenknochen zu Buchstaben - Viel Zeit, Geduld und Studium der Gebrauchsanweisung brauchte man dagegen für die den vielschichtigen „Luna Park“ von Anna Konjetzky, Rolf Dennemann und Ekmel Ertan: Video- und Foto-Installationen aus Deutschland und der Türkei auf drei Gasteig-Stockwerken, eine Konzertperformance im Freien, durchs Fenster zu bestaunen. Kernpunkt ist Konjetzkys Choreografie „Memories and Traces“. Zwei Tänzerinnen drücken ihre Körper von hinten gegen eine Leinwand-Membran, die Ausbuchtungen lassen ihre Gliedmaßen seltsam skelettiert und vergrößert erahnen. Dass danach bei schmerzhaften Stroboskop-Blitzen ein Schuhplattler entwickelt wird, ist eher banal.

Interessant, aber uns sehr fern, ist „Monument G2“: Der Slowene Janez Jansa hat eine slowenische Kult-Choreografie von Dusan Jovanovic wiederbelebt und mit einem Remake konfrontiert. Was die Tänzerin Jozica Avbelj 1972 tanzte, tanzt sie auch jetzt live - und die jüngere Teja Reba versucht daneben eine Auseinandersetzung, die mehr sein will als Remake. Nur fehlt uns hier zum Verstehen auch politisch das Wissen.

Ein Highlight setzten Raimund Hoghes „Bolero-Variationen“: Ein strenges Zeitlupen-Exerzitium mit ganz eigener Spannung. Hoghe, lange Dramaturg bei Pina Bausch, hat erst spät seinen buckligen Körper auf der Bühne als Stein des ästhetischen Anstoßes thematisiert. Hier entwirft er über eine Eistanz-Version von Ravels „Bolero“ ein quälend langsames Szenario, umkreist als Zeremonienmeister mit abgemessenen Schritten seine fünf Tänzer, ehe er selbst seinen„Körper in den Kampf“ wirft. Wobei Kampf hier immer nur Aushalten bedeutet.

Gabriella Lorenz

Veröffentlicht am: 02.11.2010

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Jan Lau
02.11.2010 20:53 Uhr

Hallo Frau Lorenz,

"wohin" schreiben Sie eigentlich?

Mir ist nicht klar, was Sie eigentlich sagen wollen.

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