Die Spielzeit 2011/12 im Volkstheater – Von Amerika in den Ammergau

von Florian Haamann

" Foto: Florian Haamann

Jubiläum für Christian Stückl: Mit der Spielzeit 2011/12 startet sein zehntes Jahr als Intendant am Volkstheater. Acht Premieren wird es in diesem Jahr geben. Bevor es losgeht hier schon mal ein Überblick und die Antwort auf die Frage, wie es mit dem Radikal Jung Festival weitergeht.

Verwirrung stellt sich ein beim ersten Blick auf den neuen Spielplan des Volkstheaters. Auf den zweiten Blick dann die Gewissheit: das kann nicht gutgehen; nein, nein, nein, unmöglich. Es ist der geradezu unscheinbare Titel einer der acht Premieren, der diese Reaktion herausfordert: „Unendlicher Spaß“. Kurz, klar, ruhig. Doch das innere Auge sieht bereits mehr, vor ihm entsteht ein mächtiger weißer Klotz – sein Umfang: Mehr als 1500 Seiten, 388 Fußnoten inklusive. Ganz ordentlich also für einen Roman. 2009 erschien das Epos des Amerikaners David Foster Wallace in Deutschland und wurde zum der Liebling der Feuilletons. Endlose Szenen, vereint mit Wallaces unvergleichlicher Gabe zur Beobachtung und Wiedergabe auch der kleinsten Details, verpackt in eine beeindruckende Sprache sind es, die „Infinite Jest“, wie es im Original heißt, zum Meisterwerk machen.

Wie es Bettina Bruinier gelingt soll, diesen Roman für die Bedürfnisse der Bühne einzudampfen, ist wohl die spannendste Frage dieser Spielzeit. Bis zum 15. März 2012 hat sie noch Zeit, an ihrer Inszenierung – die, wen wundert's, gleichzeitig eine Uraufführung ist – zu arbeiten. Für alle, die bisher nicht dazu gekommen sind: die Zeit bis dahin sollte so eben dazu ausreichen, sich mit dem Roman vertraut zu machen.

Quasi zum Aufwärmen darf Bettina Bruinier gleich noch einen zweiten Roman inszenieren. Diesmal kommt die Vorlage vom Sciene-Fiction Autor Stanislaw Lem. Bekannt wurde sein Roman "Solaris" durch die Verfilmungen von Andrei Tarkowski von 1972 und Steven Sonderbergh aus dem Jahr 2002 (mit George Clooney in der Hauptrolle). Was Bettina Brunier daraus macht, kann man sich ab dem 24. November 2011 anschauen.

Zwei Regisseure für die nächste Spielzeit wurden direkt vom Radikal Jung Festival 2010 verpflichtet. Nicole Oder, die Gewinnerin des Publikumspreises, inszeniert „Der falsche Inder“ nach einem Roman des Irakers Abbas Khider, Premiere ist am 21. Juni 2012.

Aus Belgrad war Milos Lolic beim Radikal Jung Festival zu Gast. Offenbar hat er so einen guten Eindruck hinterlassen, dass er gleich wieder kommen darf. Denn mit seiner Inszenierung von Federico Garcia Lorcas „Bluthochzeit“ startet das Volkstheater am 28. September in die neue Spielzeit. Interessant wird es dabei zu sehen, wieweit es dem jungen Regisseur gelingt, den Schauspielern seine Ideen zu vermitteln – denn deutsch spricht er (noch) nicht.

Zwei weitere Regisseure sind zwar bekannt, was sie inszenieren werden allerdings noch nicht. Thomas Dannemann wird zum ersten Mal am Volkstheater sein, Simon Solberg dagegen ist ein alter Bekannter. Am Volkstheater hat er bisher „Faust“, „Die Jungfrau von Orleans“ und „Einer flog übers Kuckucksnest“ inszeniert.

Der „Boandlkramer“ im Brandner Kaspar ist wahrscheinlich Maximilian Brückners bekannste Rolle am Volkstheater. Im Kino war er unter anderen in „Männer wie wir“, „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ und „Kirschblüten-Hanami“ zu sehen, außerdem ist er seit 2006 als Franz Kappl saarländischer Tatortkommisar. In der neuen Spielzeit schlüpft er in eine ganz neue Rolle und probiert sich als Regisseur. Einen bayerischen Stoff habe Brückner sich gewünscht, so Volkstheater-Intendant Christian Stückl. Fündig würde man beim Oberammergauer Ludwig Thoma, seine „Magdalena“ ist es, die Brückner inszeniert.

Natürlich gibt es auch in diesem Jahr eine Inszenierung von Christian Stückl. Der kann auf ein erfolgreiches Jahr zurück blicken: das Volkstheater hatte mit mehr als 110.000 Besuchern das beste Jahr seiner Intendanz, seine Inszenierung, die Dreigroschenoper, war ständig ausverkauft und die Oberammergauer Passionsspiele waren ein Erfolg. Als nächsten Stoff hat er sich Rolf Hochhuths „Der Stellvertreter“ ausgesucht. Fünf mögliche Stücke habe er im Urlaub dabei gehabt, der Konflikt der beiden Protagonisten im Stellvertreter sei es letztendlich gewesen, der ihn nicht mehr losgelassen habe. Am 19. Januar 2012 wird seine Inszenierung am Volkstheater Premiere feiern.

Neben den eigenen Aufführungen werden auch wieder eine Reihe von Gastspielen präsentiert. Den Anfang macht hier am 25. September Philipp Lahm, der sein heiß diskutiertes Fußballbuch „Der feine Unterschied“ präsentieren wird.

Und noch eine ganz wichtige Frage für alle Theaterfans ist beantwortet. Nach den Diskussionen um die Zukunft des Energieerzeugers Eon war bisher nicht klar, wie es mit dem Radikal Jung Festival weitergeht. Zumindest für 2012 kann Stückl Entwarnung geben. Gerade habe man die endgültige Zusage bekommen. Vom 21. bis 29. April heißt es damit Radikal Jung 2012. Wie es ab 2013 weitergeht, hängt wohl davon ab, ob sich Eon für oder gegen seine Niederlassung in München entscheidet. Vorsorglich ließ Stückl durchblicken, dass er für Ideen, welcher Sponsor die Lücke notfalls schließen könnte, durchaus empfänglich ist.

Veröffentlicht am: 16.09.2011

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