Sound-Künstler wie zu Königs Zeiten: Das Münchner Quartett „Instrument“ stellt seinen monumentalen Hochleistungs-Rock vor

von Michael Grill

Sie wurzeln tief in der Rockgeschichte, die vier von Instrument. Foto: Onelouder

Überraschung aus den Tiefen der Münchner Musikszene: Eine Band, die klingt als habe sie die Progressive-Rock-Legende King Crimson aus den 70ern verschluckt. Dabei heraus kommen versponnene, vertrackte Songs, die sechs, sieben, manchmal mehr als 13 Minuten lang sind. Das ist musikalisches Handwerk höchster Schwierigkeitsgrade, oft erst sphärisch und dann mit großer Härte. „Instrument“ heißt die Gruppe mit Proberaum in München, sie ist hervorgegangen aus der 2008 aufgelösten Band Cosmic Casino und besteht aus Markus Schäfer, Nicolas Sierig, Hubert Steiner und Maxi Nieberle.

Ihre gleichnamige Debüt-CD versucht nicht einmal den Anschein zu erwecken, hier ordne sich jemand in regionale Strömungen oder Stilrichtungen der letzten Jahre ein – die Musik von Instrument hat etwas Ortloses, Selbstbezogenes und Unzeitiges: Hochleistungs-Rock, immer auf der Suche nach noch mehr Emotion, Tiefe und Drama. Sie selbst beziehen sich seltsamerweise stark auf die 90er Jahre, auf Indie-Rock und Post-Rock, doch in Wirklichkeit wurzelt die Musik von Instrument viel tiefer – in den Anfängen von Psychedelic und den Experimenten des deutschen Kraut-Rock. Eine aktuelle Verwandtschaft könnte man am ehesten noch mit der britischen Monumental-Band Muse erkennen: Massive Gitarrensound-Wände und spaciges Retardieren, gepflegte Lust an geistreicher Kakophonie.

Diese Herren klingen, als hätten sie King Crimson verschluckt. Foto: Onelouder / Gerald von Foris

Nach alter Prog-Rock-Schule ist das alles voller geheimnisvoller Geräusche, man kann beim wiederholten Hören immer wieder Neues entdecken: Da fiept etwas, da klirrt etwas, dort verhallt ein Oberton – selbst Melotron und Vocoder kommen zum Einsatz –, und dann brettert wieder das Gitarren-Gewitter los, dass Robert Fripp von King Crimson neidisch werden könnte. Vieles ist bei Instrument tatsächlich rein instrumental gehalten, gerade die jazzigen Passagen. Weshalb die Band auch den Ausstieg ihres bisherigen Sängers Bennie Benson vor einigen Wochen gut verkraften kann: Hier geht es um Sound, nicht um Wörter.

Instrument: „Instrument“ (The Instrument Village/Brokensilence). Live am Donnerstag (9.9.) in der Feierwerk-Kranhalle, am 10.9. im Cantona Schrobenhausen und am 29.10. in der Augsburger Ballonfabrik (je 20 Uhr). Hörproben und Infos auf http://www.myspace.com/theinstrumentvillage und http://www.theinstrumentvillage.com

Veröffentlicht am: 09.09.2010

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